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Verpasster Flug aufgrund Zugverspätung geht zu Lasten des Reiseveranstalters

Erweckt ein Reiseveranstalter bei einem Durchschnittsverbraucher den Eindruck, dass die Bahnreise zum Flughafen Teil des eigenen Leistungspakets ist, so muss er für die Folgen einer Zugverspätung haften. Möchte er die Haftung ausschließen, so muss dies für den Kunden deutlich hervorgehen. Andernfalls gehen Unklarheiten und Zweifel auf sein Konto. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Hannover vom 18.12.2015 (Az.: 445 C 7017/15).

Sachverhalt

Aufgrund einer erheblichen Zugverspätung verpasste ein Ehepaar im Januar 2015 ihren Flug von Düsseldorf nach Thailand. Aus diesem Grund mussten Ersatztickets zum Preis von knapp 1.700 Euro erworben werden. Der Ehemann forderte den Reiseveranstalter zur Erstattung dieser Kosten auf, da er die Ansicht vertrat, dass die Bahnfahrt zum Flughafen Bestandteil des Reisevertrags sei. Weil die Zahlung allerdings abgelehnt wurde, klagte der Mann vor dem Amtsgericht Hannover.

Gesamteindruck lässt Zugfahrt als Teil des Leistungsangebots erscheinen

Das Amtsgericht gab der Klage statt und verurteilte die Reiseagentur zur Erstattung der Kosten für die Ersatztickets. Als Begründung gaben die Richter an, es sei der Eindruck erweckt worden, dass die Bahnfahrt Teil der Leistung wäre. Schließlich wurde der Zugtransfer in der Reisebestätigung unmittelbar unter dem Reisepreis als Reiseleistung aufgeführt. Dieser sei ferner in der Katalogbeschreibung als Vorteil neben den weiteren Reiseleistungen genannt. In der überreichten Flugplanbestätigung war zudem der Bahntransfer neben dem gebuchten Hotel sowie dem Flug unter dem Stichwort "Persönlicher Reiseplan" unter dem Briefkopf des Reiseveranstalters aufgelistet. Es sei auch zu beachten gewesen, dass sich der Reiseveranstalter auf dem Bahnticket selbst als Vertragspartner bezeichnet habe und hierauf das eigene Logo angedruckt war.

Haftungsausschluss muss klar hervorgehen

Soll die Haftung für Mängel in Zusammenhang mit der Zuganreise ausgeschlossen gelten, so muss dies laut Gericht deutlich gegenüber dem Kunden kommuniziert werden. Aus einem Informationsschreiben, der Reisebestätigung und der Reiseausschreibung muss sich klar ergeben, dass die Bahnfahrt nur in Kooperation mit der Bahn durchgeführt werde und der Urlauber selbst für das pünktliche Eintreffen am Flughafen verantwortlich sei. Die ledigliche Aufforderung des Reiseveranstalters, eine geeignete Zugverbindung zu wählen, die das Erreichen des Flughafens zwei Stunden vor Abflug sicherstelle, reiche hierbei nicht aus. Ein Durchschnittsreisender könne zu Recht davon ausgehen, dass es sich beim Zugtransfer um eine Leistung des Beklagten handelt. Schließlich gehe mit dem Hinweis des Reiseveranstalters lediglich die Aufforderung einher, für eine pünktliche Anreise zu sorgen. Nach Ansicht des Gerichts sei der Fall auch nicht deshalb anders zu beurteilen, weil das Unternehmen unter dem Wort "Haftung" aufführt, dass der Kunde für die rechtzeitige Anreise selbst verantwortlich ist. Dieser Hinweis sei nicht besonders deutlich hervorgehoben worden und ändere nichts am vermittelten Gesamteindruck.

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