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Zimmer mit Einzelbetten und Couch statt Zweibettzimmer stellt Reisemangel dar

Entspricht die Unterkunft nicht dem gebuchten Hotelzimmer, so stellt dies bei einer Pauschalreise einen Mangel dar. Dies ist etwa dann der Fall, wenn zwei Einzelbetten und Couch anstatt der gebuchten Schlafzimmer mit Doppelbetten zugewiesen werden. Reisende können in einer solchen Situation den Reisepreis mindern, wie das Amtsgericht Hannover mit Urteil vom 23.03.2018 (Az.: 442 C 12227/17) bekanntgab.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall hatte ein Mann für sich, seine Ehefrau, seine Schwiegermutter sowie seine beiden Kinder im Alter von 18 und 15 Jahren eine Reise auf ein Atoll für den Jahreswechsel 2016/17 gebucht. Als Unterbringung buchte er für sich und seine Ehegattin ein Doppelzimmer. Den übrigen Reisenden sollten in einem Apartment zwei separate Zimmer, getrennt durch eine Verbindungstür, mit jeweils einem Doppelbett zur Verfügung stehen. Der Preis für die beiden Zimmer belief sich respektive auf 2.359 und 1.563 Euro. Vor Ort kamen die Mitreisenden jedoch nicht in einem Apartment mit zwei separaten Schlafzimmern nebst Doppelbett unter. Vielmehr wurde ihnen ein Zimmer zugewiesen, welches über zwei nebeneinanderliegenden Einzelbetten sowie eine Couch verfügte. Deshalb schliefen die beiden Kinder und die Oma in einem gemeinsamen Zimmer. Aufgrund dieses Missstandes forderte der Mann nach Abschluss des Urlaubs vom Reiseveranstalter eine Minderung des Reisepreises. Er erhielt zunächst 700 Euro zurück, später weitere 560 Euro. Der Mann forderte jedoch eine höhere Rückzahlung, zumal seine beiden Kinder durch das Schnarchen der Schwiegermutter mindestens einmal pro Nacht geweckt wurden. Die Schwiegermutter selbst klagte über Verspannungen der Rückenmuskulatur. Da der Reiseveranstalter keine weitere Rückzahlung leisten wollte, klagte der Mann vor dem Amtsgericht Hannover.

Falsche Zimmerzuweisung berechtigt zur Reisepreisminderung

Das Amtsgericht gab der Klage des Urlaubers auf Reisepreisminderung statt. Aufgrund der fehlerhaften Zimmerzuweisung liege ein Reisemangel vor, welcher nach Auffassung der Richter eine Minderungsquote in Höhe von 30% rechtfertige. Erschwerend zu berücksichtigen sei gewesen, dass Kinder und Großmutter in ein und demselben Zimmer schlafen mussten. Dies wollten die Beteiligten nicht, weshalb sie explizit zwei getrennte Zimmer buchten. Weil sie sich gemeinsam ein Zimmer teilen mussten, waren sie während der Nachtruhe dem jeweils anderen ausgesetzt, was sie als unangenehm empfanden. Laut Gericht sei es für den Umfang der Reisepreisminderung unerheblich, in welchem Ausmaß es zu besonderen Störungen der Nachtruhe gekommen ist.

Couch statt Doppelbett rechtfertigt weitere Minderung

Mit einer Minderungsquote von 8% bewertete das Gericht die Bereitstellung einer Couch anstelle eines Bettes. Schließlich sei der Komfort einer Couch nicht annähernd mit dem eines Doppelbettes vergleichbar. Ein Anspruch auf Schadenersatz wies das Amtsgericht allerdings zurück. Denn die Frustration des Familienvaters wegen der Mängel stelle keinen Schaden dar, den der Reiseveranstalter zu vertreten habe. Liegt ein Mangel vor, komme es bei den Urlaubern regelmäßig zu Frustration über die Umstände und den Anbieter. Diese Frustration solle ebenfalls über die Reisepreisminderung abgedeckt werden.

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