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Witterungsbedingte Änderung der Kreuzfahrtroute rechtfertigt keine Ausgleichszahlung nach der Fluggastrechteverordnung

Ändert der Reiseanbieter die Route einer Kreuzfahrt und stellt die ursprüngliche Route einen wesentlichen Teil der Reise dar, so kann der Passagier eine Minderung des Reisepreises verlangen. Jedoch besteht gegenüber dem Reiseveranstalter kein Anspruch auf Ausgleichszahlung gemäß Fluggastrechteverordnung, wenn das Luftfahrtunternehmen den Flug annulliert. So lautet das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 22.06.2017 (Az.: 2-24 O 30/15).

Sachverhalt

Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Ein Ehepaar hatte eine Kreuzfahrt mit "arktischem Kurs" für den September 2014 gebucht. Gemäß den Reiseunterlagen sollten unter anderem binnen vier Tagen verschiedene Häfen in Grönland angelaufen werden. Doch der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes entschied sich angesichts schlechter Wetterverhältnisse dazu, von einem Halt an Grönlands Häfen abzusehen. Damit erklärten sich die Eheleute jedoch nicht einverstanden, weshalb sie den Reiseveranstalter im Anschluss an die Kreuzfahrtreise zur Minderung des Reisepreises aufforderten. Weil darüber hinaus der Rückflug von München nach Stuttgart gestrichen wurde, forderte das Ehepaar auch eine Ausgleichszahlung im Sinne der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO). Der Reiseveranstalter behauptete, für beide Unannehmlichkeiten nicht verantwortlich gemacht werden zu können. Aus diesem Grund erhoben die Eheleute Klage vor dem Landgericht Frankfurt am Main.

Abweichende Reiseroute stellt einen Reisemangel dar

Das Landgericht urteilte teilweise zu Gunsten des Ehepaares. Gemäß § 651 d Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) stehe den Klägern ein Anspruch auf Reisepreisminderung zu. Zwar können die Entscheidung, die Häfen von Grönland wegen Sicherheitsbedenken nicht anzulaufen, nicht beanstandet werden. Mit Blick auf § 651 c Abs. 1 BGB sei die Reise dennoch als mangelhaft einzustufen gewesen. Denn die Häfen Grönlands nicht anzufahren, stelle einen Verstoß gegen den Inhalt des Reisevertrages dar. Schließlich stehen diese Häfen für einen wesentlichen Teil der Reise. Somit habe der Ausfall dieser Reiseroute das Gepräge der Kreuzfahrtreise in einem signifikanten Punkt verändert, so das Gericht. Weil der Minderungsanspruch verschuldensunabhängig sei, spiele auch das Verschulden des beklagten Reiseveranstalters keine Rolle.

Ausgleichszahlung kann nicht beansprucht werden

Weil das Ehepaar die Tage aber auch ohne einen Halt in Grönland auf dem Schiff verbrachten, hätten sie nach Ansicht der Richter in dieser Zeit auch Reiseleistungen in Anspruch genommen. Aus diesem Grund setzte das Gericht für die insgesamt vier Tage eine Minderung des Reisepreises in Höhe von jeweils 1/3 des anteiligen Tagesreisepreises an. Der Forderung des Ehepaares auf eine Ausgleichszahlung wegen des annullierten Fluges nach der FluggastVO erteilte das Gericht hingegen eine Absage. Denn eine solche schulde nicht ein Reiseveranstalter, sondern lediglich die ausführende Fluggesellschaft. Hierzu verwiesen die Richter auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11.03.2008 (Az.: X ZR 49/07).

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