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Vulkanausbruch berechtigt zur Kündigung der Urlaubsreise

Kann eine Gefährdung von Reisenden aufgrund des Ausbruchs eines Vulkans nicht ausgeschlossen werden, so kann ein Urlauber seine Reise wegen höherer Gewalt kündigen. Als Beleg für mögliche Risiken sind Medienberichte zum Zeitpunkt des Ausbruchs ausreichend. Mit Urteil vom 24.05.2018 (AZ.: 133 C 21869/15) hat das Münchener Amtsgericht die Reiseveranstalterin zur Rückzahlung des Reisepreises verurteilt.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall hatte ein Mann für sich und seine Frau eine Reise nach Costa Rica für die Zeit vom 15. bis 27.03.2015 gebucht. Die Urlaubsreise sollte insbesondere eine Mietwagenrundreise mit Aufenthalten in San Jose, in einem Nationalpark und nahe des Vulkans Turrialba sowie die Hin- und Rückflüge vorsehen. Am 13.03.2015 brach der Vulkan Turrialba, welcher sich etwa 80 Kilometer von der Hauptstadt San Jose befindet, aus. Aufgrund der hierbei entstandenen Aschewolke stoppten die Behörden an diesem Tag den Flugverkehr für diverse Stunden. Ferner ließen sie im Umkreis von zwei Kilometern einige Dörfer evakuieren. Der Umstand führte auch dazu, dass die Zufahrt zu einem Nationalpark gesperrt wurde. Diese befand sich auf der Reiseroute des bayerischen Ehepaars. In der Zwischenzeit wies das Auswärtige Amt darauf hin, dass die Vulkanasche gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Atembeschwerden und Augenreizungen herbeiführen könne. Um dem zu begegnen, sollte vor Ort eine Atemmaske getragen werden. Wegen des Vulkanausbruchs kündigten die Eheleute am 14.03.2015 die Reise gegenüber ihrem Veranstalter. Schließlich habe die Ehefrau erst kürzlich eine Bronchialerkrankung auskuriert. Ferner würde der Vulkanausbruch auch das Naturerlebnis wesentlich beeinträchtigen. Der Reiseveranstalter wollte die Kündigung nicht akzeptieren, zumal die Reise seiner Auffassung nach vollständig hätte durchgeführt werden können. Auch müsse in Costa Rica angesichts der vier aktiven Vulkane stets mit Ausbrüchen gerechnet werden. Mangels Einigung erhoben die Urlauber vor dem Münchener Amtsgericht Klage auf Rückerstattung des Reisepreises.

Unvorhersehbare höhere Gewalt ist zu bejahen

Das Amtsgericht gab der Klage statt und verurteilte den Reiseveranstalter zur Rückzahlung des Reisepreises. Nach Auffassung der Richter habe sich ein Fall von unvorhersehbarer höherer Gewalt konkretisiert. Allein die Tatsache, dass es oft zu kleineren Ausbrüchen komme, könne nicht zu einer Vorhersehbarkeit des hier streitgegenständlichen Vulkanausbruches mit einem solchen Ausmaß gerechnet werden. Beim letzten Ausbruch im Oktober 2014 sei ferner für die Folgemonate keine erhöhte Ausbruchswahrscheinlichkeit festgestellt worden. Die vorgelegten Medienberichte seien ausreichend, um von einer Gefährdung der Reisenden ausgehen zu können. Von Dramatisierungen und Übertreibungen könne somit nicht die Rede sein. Auch ein in Costa Rica lebender Bekannter des Ehepaares konnte die gefährlichen Zustände bestätigen.

Vulkanasche geht mit mehreren negativen Auswirkungen einher

Ausführungen eines Gutachters zufolge, sei zwar nur die unmittelbare Gegend von dem Auswurf von Gesteinsfragmenten betroffen gewesen. Doch die ausgestoßene Vulkanasche sei von den vorherrschenden Winden verdriftet worden. Diese Asche führe zu diversen negativen Aspekten: Sie legt sich auf den Asphalt nieder und verschlechtere hierdurch die Straßenverhältnisse, ganz abgesehen von den ohnehin schwierigen Sichtverhältnissen. Durch das Einatmen vulkanischer Gase sowie feiner vulkanischer Asche könne es zudem zu Augenreizungen und weiteren Gesundheitsproblemen kommen. Darüber hinaus könnten angesichts der in der Atmosphäre vorhandenen, hohen Konzentration an Vulkanasche Flughäfen gesperrt werden.

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