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Vogelschlag rechtfertigt nicht jede Flugverspätung

Kollidiert ein Flugzeug mit einem Vogel, so liegt gemäß bisheriger Rechtsprechung ein außergewöhnlicher Umstand vor, welcher das Luftfahrtunternehmen von der Leistung einer Ausgleichszahlung bei großer Verspätung befreien kann. Dies gilt jedoch nur, wenn die Airline alles dafür getan hat, dass der Flug so pünktlich wie möglich beginnt. Dies geht aus einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 04.05.2017 (Az.: C-315/15) hervor.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall wollte ein Ehepaar im August 2013 mit einem von der tschechischen Airline Travel Service durchgeführten Flug von Bulgarien nach Tschechien fliegen. Zuvor hatte das Unternehmen bereits mehrere Flüge absolviert, unter anderem von Prag nach Burgas. Genau auf diesem Flug wurde an der Schubumkehr ein technisches Problem festgestellt, dessen Behebung 1 Stunde und 45 Minuten beanspruchte. Im Anschluss daran soll die Maschine nach Aussage der tschechischen Fluggesellschaft mit einem Vogel kollidiert sein. Dieser Umstand machte eine Kontrolle des technischen Zustands des Flugzeugs erforderlich, die von einer Gesellschaft vor Ort vorgenommen wurde. Doch die Firma Sunwing, die Eigentümerin der Maschine war, bestand darauf, dass die Betriebsbereitschaft der Maschine zusätzlich in der tschechischen Stadt Brno überprüft werde. Beide Kontrollen ergaben keine nennenswerten Schäden an dem Flugzeug. Insgesamt führten die Zwischenfälle zu einer Ankunftsverspätung von 5 Stunden und 20 Minuten. Aufgrund dessen verlangte das Ehepaar eine Ausgleichszahlung, welche die Airline nicht gewähren wollte. Dies begründete das Unternehmen damit, dass sich ein außergewöhnlicher Umstand ereignet hätte. Nach mehreren Gerichtsprozessen landete die Angelegenheit schließlich vor dem Europäischen Gerichtshof.

Kollision mit Vogel stellt außergewöhnlichen Umstand dar

Zunächst erinnerte der Gerichtshof an seine Rechtsprechung, wonach außergewöhnliche Umstände solche Vorkommnisse sind, die ihrer Ursache oder Natur nach nicht Teil der gewöhnlichen Ausübung der Tätigkeit einer Fluggesellschaft und von ihr nicht beherrschbar sind. Zudem erklärten die Richter, dass technische Defekte an bestimmten Flugzeugteilen keinen außergewöhnlichen Umstand darstellen, zumal hieraus resultierende Ausfälle unmittelbar mit dem Betrieb des Flugzeugs im Zusammenhang stehen. Von seiner Ausgleichspflicht befreit werden kann eine Airline nur dann, wenn sie alles in ihrer Macht unternommen hat, um eine Annullierung oder Verspätung des Flugs zu verhindern. Im konkreten Fall ist das Gericht der Auffassung, dass die zweite Kontrolle in Brno nicht erforderlich war, um die Betriebsbereitschaft des Flugzeugs sicherstellen zu können. Schließlich wurde die Maschine bereits vor Ort durch einen Fachmann überprüft.

Nicht auf außergewöhnlichen Umstand beruhende Verspätungszeit relevant

Sofern die große Verspätung nicht nur auf die Kollision mit einem Vogel und somit auf einen außergewöhnlichen Umstand zurückgeht, sondern auch auf beherrschbare Situationen, so ist dies bei der Verspätungszeit zur berücksichtigen. Vorliegend habe sich ein technisches Problem an der Maschine ergeben, welches durch angemessene Maßnahmen zu verhindern gewesen wäre. Demzufolge habe die Airline nicht alle zumutbaren Vorsorgemaßnahmen ergriffen, um zumindest einen Teil der Verspätung zu verhindern. Das tschechische Gericht müsse nun darüber entscheiden, ob die Verspätungszeit, die allein auf den Vogelschlag resultiert, mindestens drei Stunden beträgt. Danach richte sich ein eventueller Anspruch auf Ausgleichszahlung.

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