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Verweigerte Beförderung der Airline aufgrund Verspätung rechtens

Wer erst nach Abschluss des Boardings und demnach zu spät am Fluggaststeig erscheint, muss damit rechnen, die Beförderung durch die Airline verweigert zu bekommen. Ein durchschnittlich erfahrener Reisender muss sich seiner Pflicht zum pünktlichen Erscheinen am Gate bewusst sein. Demnach besteht gegenüber dem Reiseveranstalter kein Anspruch auf Entschädigung. Dies hat das Amtsgericht Frankfurt am Main mit Urteil vom 19.10.2018 (Az.: 32 C 1560/18 (88)) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall kam es zum Streit zwischen Fluggästen und deren Reiseveranstalter. Das Ehepaar, das ungefähr einmal jährlich gemeinsame Flüge ins europäische Ausland unternahm, hatte eine Flugpauschalreise nach Asien gebucht. Der Reise lag ein Flug von Frankfurt am Main nach Hanoi zugrunde. Am Flugtag trafen die Eheleute deutlich verspätet am Flughafen ein. Beim Eintreffen am Gate bekamen sie mitgeteilt, dass der Einsteigevorgang bereits abgeschlossen und eine Annahme sowie Beförderung von Reisenden nicht mehr möglich sei. Geschlossen wurde der Fluggaststeig 20 Minuten vor Abflugzeit. Die Eheleute wollten dies nicht hinnehmen und erklärten, dass sie auf den Bordkarten keinen schriftlichen Hinweis auf Annahmeschlusszeiten erhalten hätten. Umstritten und unklar blieb die Frage, ob die Mitteilung mündlich erfolgt sei und ob die Flugzeugtür und Fluggastbrücke beim Eintreffen am Gate noch geöffnet waren. Um dennoch an ihr Urlaubsziel zu gelangen, buchte das Ehepaar Ersatzflüge für je knapp 1.000 Euro. Später forderten die Eheleute den Pauschalreiseveranstalter zur Erstattung der Ticketkosten auf. Dieser beschränkte sich allerdings auf die Rückzahlung von Gebühren und Steuern. Deshalb klagte das Ehepaar vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main auf die Erstattung des Rests der aufgewendeten Kosten sowie auf Schadenersatz aufgrund entgangener Urlaubsfreude.

Amtsgericht weist Klage ab

Das Amtsgericht urteilte zu Gunsten des Reiseveranstalters und wies die Klage ab. Unter rechtlichen Gesichtspunkten könnten die Eheleute gegenüber dem Beklagten keine Ansprüche geltend machen, da ihnen an der verweigerten Beförderung ein Mitverschulden im Sinne von § 254 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) anzulasten sei.

Flugerfahrene Eheleute hätten Folgen der Verspätung vorhersehen müssen

Als Begründung gab das Gericht im Wesentlichen an, dass es sich bei den Klägern um flugerfahrene Reisende handelt. Schließlich unternehmen sie eigenen Angaben zufolge regelmäßig gemeinsame Reisen. Darum hätten sie, auch ohne einen ausdrücklichen Hinweis, durchaus erkennen müssen, dass sie nicht nur wenige Minuten vor planmäßiger Abreise am Fluggaststeig eintreffen durften. Wenn sie eine entsprechende Absicht gefasst hätten, dann wäre zumindest zu erwarten gewesen, dass sie sich beim Check-In nach der Annahmeschlusszeit erkundigt hätten. An der Beurteilung ändere auch die Tatsache nichts, dass möglicherweise die Fluggastbrücke sowie die Fluggasttür beim Eintreffen des Ehepaars noch offen gewesen seien. Denn um die Wahrnehmung des ihnen vom Frankfurter Flughafen zugewiesenen Start-Slots nicht zu gefährden, seien die Luftfahrtunternehmen an feste Annahmeschlusszeiten gebunden.

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