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Verspätung aufgrund Flugzeug-Enteisung rechtfertigt Entschädigung

Kommt es wegen der Enteisung einer Flugmaschine zu einer Ankunftsverspätung, ist die Fluggesellschaft zur Leistung einer Ausgleichsentschädigung gemäß Fluggastrechteverordnung verpflichtet. Dies gilt zumindest dann, wenn eine Verspätung von mehr als drei Stunden kumuliert wird. Auf einen außergewöhnlichen Umstand kann sich die Airline nicht berufen. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 06.02.2017 (Az.: 31 C 3832/15 (83)).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall traf eine Flugreisende mit einer Verspätung von über 24 Stunden an ihrem Zielort im mexikanischen Cancun ein. Gebucht hatte sie den Flug von Frankfurt am Main nach Cancun mit Zwischenlandung in München. Zu der starken Verzögerung kam es deshalb, weil der Zubringerflug von Frankfurt am Main in die bayerische Landeshauptstadt wegen einer Enteisung der Maschine verspätet durchgeführt wurde, wodurch die Frau ihren Anschlussflug nach Mexico verpasste und auf einen Ersatzflug warten musste. Wegen dieser Verspätung forderte die Reisende das Luftfahrtunternehmen zur Zahlung einer Entschädigung auf. Hierzu erklärte sich die Airline jedoch nicht bereit. Ihrer Ansicht nach habe sich nämlich ein außergewöhnlicher Umstand ereignet, da der Zwischenfall nicht dem gewöhnlichen Geschäftsbetrieb einer Fluggesellschaft zugeordnet werden könne. Ein außergewöhnlicher Umstand würde die Airline entsprechend der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO) von der Leistung einer Ausgleichszahlung befreien. Weil die Reisende auf eine Entschädigung beharrte, klagte sie vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 600 Euro.

Anspruch auf Ausgleichszahlung aufgrund Verspätung besteht

Das Gericht gab der Klage statt und entschied somit gegen das Luftfahrtunternehmen. Der Reisenden stehe ein Anspruch auf Entschädigung im Sinne von Artikel 7 Absatz 1 der FluggastVO zu. Laut Urteilsbegründung habe die Klägerin schließlich ihr Zielort Cancun mit einer Verspätung von über 24 Stunden erreicht.

Enteisung des Flugzeugs ist kein außergewöhnlicher Umstand

Die Airline könne sich nach Auffassung des Gerichts nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand gemäß Artikel 5 Absatz 3 FluggastVO berufen. Denn zum Pflichtenkreis einer Airline gehöre eben auch die Enteisung der Flugmaschine. Von diesem Pflichtenkreis ebenfalls umfasst sei es, das Flugzeug in einem technisch flugbereiten Zustand zu halten. Weil die Enteisung des Fluggeräts während der Wintermonate als üblich anzusehen sei und erwartet werden könne, müsse die Fluggesellschaft diese Maßnahme in die Flugdurchführung mit einplanen. Kommt die Airline dem nicht nach und kommt es wegen der Enteisung zu einer Verzögerung, könne nicht von einem außergewöhnlichen Umstand ausgegangen werden. Das beklagte Unternehmen ist demzufolge leistungspflichtig. Aufgrund der Entfernung ist eine Entschädigung in Höhe von 600 Euro fällig. So ist es in der FluggastVO geregelt.

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