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Verloren gegangenes Gepäck rechtfertigt erhebliche Reisepreisminderung

Ein Reisender kann eine erhebliche Minderung des Reisepreises verlangen, wenn ihm sein Koffer während seines gesamten Urlaubs nicht zur Verfügung steht. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Betroffene deshalb auch Schadenersatz aufgrund vertaner Urlaubsfreude verlangen darf. In Betracht kommt eine solche Entschädigung nur bei einer Minderungsquote von 50 Prozent je betroffenen Urlaubstag. Dies hat das Urteil des Amtsgerichts Bad Homburg vom 24.09.2019 (Az.: 2 C 130/19 (28) ergeben.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall verbrachten Eheleute rund 14 Tage im Februar 2014 auf Kuba im Rahmen einer Pauschalreise. Konkret hatten sie einen Kite-Surf-Aktivurlaub auf der karibischen Insel gebucht. Allerdings blieb die Beförderung des Koffers der Frau aus. Über diesen konnte sie bis zum Ende des Urlaubs nicht verfügen. Dies war der Grund, weshalb die Ehefrau gegen die Reiseveranstalterin gerichtlich vorging. Sie forderte das Unternehmen dazu auf, eine Minderung des Reisepreises sowie Schadensersatz aufgrund vertaner Urlaubsfreude zu gewähren. Erst im April 2018 ging der Klägerin ihr Koffer zu.

Minderung des Reisepreises ist gerechtfertigt

Das Bad Homburger Amtsgericht gab der Klage der Urlauberin statt und verurteilte das Reiseunternehmen dazu auf, eine Minderung des Reisepreises zu gewähren. Da die Frau während der gesamten Urlaubszeit ohne ihr Gepäck auskommen musste, sei die gebuchte Reise in signifikantem Umfang mit Mängeln behaftet gewesen, so das Gericht. Als gerechtfertigt sah das Gericht eine Reisepreisminderung in Höhe von 50 Prozent an. Allerdings blieb der Klägerin ein Anspruch auf Schadensersatz aufgrund vertaner Urlaubsfreude verneint. Gerechtfertigt sei ein derartiger Anspruch nur dann, wenn eine Minderungsquote von nicht weniger als 50 Prozent je betroffenen Urlaubstag erreicht werde. Dies sei vorliegen nicht der Fall.

Auch fehlende Fotoausrüstung rechtfertigt eine Reisepreisminderung

Einen erheblichen Minderungsanspruch sprach in einem ähnlichen Fall auch das Landgericht Frankfurt am Main einer Klägerin zu. Die Frau, die eine Reise nach Madagaskar gebucht hatte, musste ihren gesamten Urlaub ohne essentielle Teile ihrer Fotoausrüstung auskommen. Weil sie nämlich bei ihrer Ankunft einen Koffer vermisste, konnte sie ihren Fotoapparat nicht mit Akku, Ersatzakku und Ladegerät ausstatten. Erst sechs Tage später erhielt sie ihr Gepäck. Der verspätete Erhalt ihres Koffers hatte zur Folge, dass ihre urlaubseindrücke von Sehenswürdigkeiten, Natur und Land nicht festhalten konnte. Der Ehemann konnte ebenfalls keine Fotografien fertigen, da dieser nicht über ein entsprechendes Gerät verfügte. Aufgrund dieses Missstands sprach das Landgericht dem klagenden Ehepaar ein Minderungsanspruch in Höhe von 25 Prozent zu. Dieser Minderungsbetrag müsse auch nicht deshalb gesenkt werden, weil die Frau die Ausrüstung für ihren Fotoapparat unberechtigterweise in den Koffer verstaut habe. Denn das Minderungsrecht eines Urlaubers bestehe unabhängig vom Verschulden des Reiseveranstalters, weshalb ein etwaiges Mitverschulden der Frau keine Rolle spiele.

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