­

Kunde hat Mehrkosten für Umbuchung auf Ersatz-Reisenden zu tragen

Wer kurz vor seiner Pauschalreise krank wird, hat das Recht, eine andere Person in den Urlaub zu schicken. Diese Übertragung der Reiseleistung muss durch die Reiseleitung ermöglicht werden. Die hierbei anfallenden Mehrkosten müssen allerdings vom Kunden getragen werden, nicht vom Reiseveranstalter. Dies geht aus zwei Urteilen des Bundesgerichtshofs vom 27.09.2016 (Az.: X ZR 107/15 und X ZR 141/15) hervor.

Sachverhalt

Vorliegend ging es um die Frage, ob die durch den Eintritt einer anderen Person in den Reisevertrag entstehenden Mehrkosten auf den Kunden übertragen werden dürfen. Solche Mehrkosten entstehen dadurch, dass eine neue Flugbuchung erforderlich wird, zumal die Tarifbedingungen der Luftfahrtunternehmen typischerweise keinen Wechsel in der Person des Fluggastes nach bestätigter Buchung zulassen. Im ersten Fall buchte eine Frau und ein vorgesehener Mitreisender, welcher der Frau seine Ansprüche abgetreten hatte, eine zehntägige Urlaubsreise zum Gesamtpreis von 2.470 Euro von Berlin nach Phuket. Weil der Mitreisende erkrankte, bat die Frau zwei Tage vor Abflug um den Eintritt zwei anderer Personen in den Reisevertrag. Nachdem sie mit Mehrkosten von 1.648 Euro konfrontiert wurde, trat sie gemeinsam mit ihrem Mitreisenden vom Reisevertrag zurück. Dem zweiten Fall lag die Buchung eines Kunden über eine einwöchige Reise von Hamburg nach Dubai zugrunde. Der Gesamtpreis für sich und seine Eltern belief sich auf 1.398 Euro. Wegen einer Erkrankung seiner Mutter, wünschte der Kunde zwei Tage vor Abflug den Eintritt zwei anderer Personen in den Reisevertrag. Dies hätte jedoch zu Mehrkosten von bis zu 1.850 Euro geführt, weshalb er den Rücktritt vom Reisevertrag erklärte. In beiden Fällen forderten die Kläger 85 bzw. 90 Prozent des Reisepreises zurück.

Schuldhafte Pflichtverletzung des Reiseveranstalters unterstellt

Am 21.11.2014 (Az.: 121 C 25717/13) bzw. 20.02.2015 (Az.: 281 C 9715/14) erklärte das Amtsgericht München, dass der Reiseveranstalter gegen seine gesetzliche Verpflichtung verstoßen habe. Denn schließlich habe erst der Reiseveranstalter den Rücktritt verursacht, weil dieser eine Übertragung der Reiseleistungen auf einen Dritten nur gegen Mehrkosten ermöglichte. Mit Urteilen vom 25.08.2015 (Az.: 30 S 25399/14) und vom 27.10.2015 (Az.: 13 S 5113/14) bestätigte das Landgericht München I die Auffassung des Amtsgerichts. Daraufhin erhob der Reiseanbieter Revision vor dem BGH.

Reiseveranstalter muss Mehrkosten nicht tragen

Der X. Zivilsenat des BGH hob die Berufungsurteile auf und wies die Klagen zurück. Zwar muss der Reiseveranstalter die Übertragung von Reiseleistungen auf Dritte ermöglichen. In diesem Zusammenhang entstehende Mehrkosten muss er jedoch nicht übernehmen. Vielmehr kann er diese dem Kunden auferlegen. Schließlich ist der notwendige Erwerb eines neuen Flugscheins für den Reiseveranstalter mit Mehrkosten verbunden. Auch wenn durch den Eintritt eines Dritten kurz vor Reisebeginn sehr hohe Kosten entstehen, rechtfertigt dies keine Kostenübernahme durch den Reiseveranstalter.

­