­

Überbuchung des vereinbarten Hotels gestattet die Kündigung des Reisevertrags

Eine andere Unterkunft als die gebuchte müssen Reisende nicht akzeptieren. Die Unterbringung in einem Ersatzhotel aufgrund der Überbuchung des gewünschten Hotels stellt einen erheblichen Mangel dar, welcher eine Kündigung des Reisevertrags rechtfertigt. Dies entschied das Landgericht Frankfurt am 19.11.2012 (Az.: 2-24 S 199/11).

 

Einführung

Für viele Urlauber entpuppt sich die schönste Zeit des Jahres zum Albtraum. Oft verfliegt die Urlaubsfreude bereits zu Beginn der Reise: Der Veranstalter teilt mit, dass eine Rundreise gestrichen wurde, der Abflug verschoben wird oder das gewünschte Hotel nicht zur Verfügung steht. Geringfügige Änderungen müssen vom Kunden hingenommen werden, so etwa eine Flugverschiebung von bis zu zwei Stunden oder ein vergleichbares Hotel. Dagegen stellt ein minderwertiges Hotel eine erhebliche Leistungsänderung dar, die der Kunde nicht akzeptieren muss.

Sachverhalt

In dem vorliegenden Streitfall buchte eine Person über einen Reiseveranstalter eine Urlaubsreise nach Ägypten. Diese sah eine Hotelübernachtung in Hurghada vor. Allerdings wurde der Urlauber gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in ein anderes Hotel untergebracht, da das eigentliche Hotel aufgrund Überbuchung kein freies Zimmer verfügbar hatte. Die neue Unterkunft war von der Lage, Qualität und Ausstattung nicht vergleichbar mit dem gebuchten Hotel. Daraufhin beanstandete der Urlauber die Ersatzunterkunft und beharrte auf die Unterbringung im vertraglich vereinbarten Hotel. Weil dies dem Reiseveranstalter nicht möglich war, kündigte der Urlauber den Reisevertrag und flog nach Deutschland zurück. Ferner klagte er vor dem Landgericht Frankfurt auf Erstattung des Reisepreises sowie auf Schadenersatz aufgrund vertaner Urlaubsfreude.

Nicht gleichwertige Ersatzunterkunft muss nicht akzeptiert werden

Das Landgericht urteilte zu Gunsten des Klägers. Nach Ansicht der Richter habe die Unterbringung in einer Ersatzunterkunft aufgrund Überbuchung des eigentlichen Hotels einen Mangel dargestellt. Hierin liege schließlich ein Verstoß gegen den Reisevertrag vor, wonach der Reiseveranstalter zur Unterbringung im gebuchten Hotel verpflichtet ist. Ohne Einwilligung des Reisenden dürfe der Veranstalter diesen nicht einfach an einem anderen Ort unterbringen. Der Urlauber müsse demnach grundsätzlich kein Hotel akzeptieren, dass er nicht gebucht hat. Dies komme nur dann in Frage, wenn die Ersatzunterbringung gleichwertig mit dem gewünschten Hotel anzusehen wäre. Würde der Reisende die Ersatzunterkunft trotz Gleichwertigkeit ablehnen und den Reisevertrag kündigen, wäre dies als unzulässige Rechtsausübung anzusehen. In diesem Fall kann jedoch von gleichwertiger Unterkunft nicht die Rede sein.

Reiseveranstalter hat Reiseabbruch zu verantworten

Nach Auffassung des Gerichts habe der Urlauber auch Anspruch auf eine Entschädigungszahlung nach § 651 f Abs. 2 BGB. Denn der Reiseveranstalter habe die Reise durch Überbuchung des gewünschten Hotels sowie dem Reiseabbruch verhindert. In Anbetracht dessen, dass von den sieben Urlaubstagen vier daheim verbracht wurden und sich der Reisepreis auf 1.694 Euro belief, hielten die Richter eine Entschädigung in Höhe von 1.050 Euro als angemessen und ausreichend.

­