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Todesangst kann Reisepreisminderung und Schmerzensgeld begründen

Gerät ein Urlauber bei einer Rückreise wegen einer dramatischen Fährüberfahrt in Todesangst, kann dies dazu führen, dass der Erholungswert des gesamten Urlaubs entfällt und ein Anspruch auf Schmerzensgeld entsteht. Dies hat das Kölner Landgericht mit Urteil vom 15.01.2019 (Az.: 3 O 305/17) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall kam es im Zusammenhang mit einer Urlaubsreise auf den Malediven zum Streit zwischen einem Ehepaar und dem Reiseveranstalter. Die Eheleute hatten bei dem Unternehmen eine 12-tägige Pauschalreise zum Gesamtpreis von etwa 4.500 Euro gebucht. Auf dem Rückweg war die Überfahrt zum Flughafen mit einer Fähre vorgesehen. Jedoch verlief diese Überfahrt alles andere als reibungslos. Aufgrund von schlechtem Wetter verspätete sich die Fähre so sehr, dass die Eheleute den Rückflug nicht mehr erreichen konnten. Trotzdem wurden sie an Bord genommen, und ungeachtet der schlechten Wetterverhältnisse sowie Sturmwarnung legte das Boot ab. Während der Fahrt wurde das Boot allerdings manövrierunfähig, weshalb es Schlagseite erlitt und von einer großen Welle überrollt wurde. Dadurch seien Navigationssystem sowie Schiffsmotoren ausgefallen und das gesamte Gepäck durchnässt worden. Zahlreiche Mitreisende mussten sich übergeben. Darüber hinaus mussten die Gäste Schwimmwesten überziehen und mit ansehen, wie ihr Boot mit einem Boot der Küstenwache kollidierte. Der Kapitän der Urlaubsfähre hatte sogar einen Notruf absetzen müssen. Letzten Endes musste ein Schiff der Marine die Fähre in einen Hafen schleppen. Zuhause angekommen, forderten die Eheleute vom Reiseveranstalter eine Reisepreisminderung sowie die Zahlung von Schmerzensgeld. Schließlich hatten sie es aufgrund der Gesamtumstände mit Todesängsten zu tun. Der Reiseveranstalter lehnte die Forderungen mit der Begründung ab, dass es sich bei den Ereignissen um höhere Gewalt gehandelt habe. Ferner habe zu keiner Zeit Todesgefahr bestanden. Daraufhin erhob das Ehepaar Klage vor dem Kölner Landgericht.

Mangelhafte Reise begründet Entschädigungszahlung

Das Landgericht entschied zu Gunsten der Kläger und demnach gegen den Reiseveranstalter. Hierbei wurde dem Ehepaar eine Entschädigung von über 10.000 Euro zugesprochen. Als Begründung gaben die Richter an, dass die Reise mangelhaft gewesen sei. Somit stünde den Reisenden ein Anspruch auf Reisepreisminderung und Schmerzensgeld zu.

Witterungsverhältnisse hätten Abbruch der Rückfahrt erfordert

Nach Auffassung des Gerichts seien die Eheleute auf der Rückreise in eine Gefahrensituation gebracht worden, die unbeherrschbar war. Dies habe der beklagte Reiseveranstalter zu vertreten. Die insofern gegen ihn sprechende Verschuldensvermutung habe nicht widerlegt werden können. Vor allem erschließe sich nach Meinung der Richter nicht, weshalb das Ehepaar auf das Boot geschickt wurde und die Rückreise nicht verschoben wurde. Zumindest hätte vor der Überfahrt eine qualifizierte Wettervorhersage eingeholt werden müssen. Der Reiseveranstalter blieb insbesondere auch eine Erklärung darüber schuldig, welche Maßnahmen er getroffen haben will, um die Kläger keiner vermeidbaren Gesundheitsgefahr auszusetzen. Sein Verschulden sei nicht etwa in der Auswahl des Bootsunternehmers begründet, sondern in dem Umstand, dass der Transport trotz des frühzeitig erkennbaren widrigen Wetters nicht abgebrochen wurde. Die mangelhafte Fährüberfahrt wirke derart erheblich, dass sie den gesamten Erholungswert des Urlaubsaufenthalts entfallen ließe. Der Ehefrau billigten die Richter aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.500 Euro zu. Dem Ehemann habe der Reiseveranstalter hingegen 500 Euro als Schmerzensgeld zu bezahlen. Das Urteil des Landgerichts ist rechtskräftig.

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