­

Strecke zwischen Abflugort und Endziel für Flugentschädigung relevant

Wenn sich eine Flugreise stark verspätet, sehen europäische Vorschriften eine Entschädigung vor, die sich vor allem an der Entfernung zwischen Start- und Landeziel orientiert. Doch wie verhält es sich bei Anschlussflügen, wenn nur eine Maschine verspätet war? Mit Urteil vom 21.03.2019 (Az.: 5 S 107/18) hat das Landgericht Hannover entschieden, dass sich die Entschädigung nicht allein danach bemisst, bei welchem Flug die Verspätung eingetreten ist.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall hatte ein Mann eine Flugreise von Hannover nach Shanghai gebucht. Da es sich hierbei jedoch nicht um einen Direktflug handelte, musste der Mann auf dem Weg zum Zielort einmal umsteigen. Somit handelte es sich um zwei geteilte Flüge. Doch während der erste Flug noch pünktlich vonstatten ging, kumulierte der Anschlussflug eine erhebliche Verspätung. Der Reisende forderte daraufhin von der Fluggesellschaft eine Entschädigung gemäß der Fluggastverordnung (FluggastVO). Konkret verlangte er die Zahlung von 600 Euro, da die Flugstrecke zwischen Hannover und Shanghai mehr als 3.500 km beträgt. Die Airline sah dies jedoch anders. Ihrer Ansicht nach sei lediglich die Verspätung zwischen Hannover und dem Flughafen relevant, in welchem der Reisende umgestiegen sei. Schließlich sei es erst auf dieser Strecke zu der Verspätung gekommen. Deshalb erstattete die Fluggesellschaft lediglich einen Betrag in Höhe von 250 Euro. Im weiteren Verlauf bestand weiterhin Streit darüber, ob für die Bemessung der Entschädigung die gesamte Flugstrecke von Deutschland nach China oder lediglich der Flug, bei welchem es zur Verspätung kam, heranzuziehen sei. Weil keine der Parteien von ihrer Position abrückte, erhob der Reisende Klage vor dem Amtsgericht.

Gesamtstrecke bestimmt die Entschädigungshöhe

Das Amtsgericht urteilte zu Gunsten der Airline und wies die Klage ab. Seiner Ansicht nach sei zur Bemessung der Entschädigungshöhe lediglich der Flug zugrunde zu legen, bei dem die Verspätung eingetreten sei. Gegen diese Entscheidung erhob der Mann Berufung, weshalb die Angelegenheit vor dem Landgericht Hannover verhandelt wurde. In der zweiten Instanz wurde der Klage des Reisenden statt gegeben und das erstinstanzliche Urteil aufgehoben. Mit Verweis auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) erklärte das Landgericht, dass der Begriff "Entfernung" im Fall von einer Flugverbindung mit Anschlussflug gemäß Art. 7 Abs. 1 FluggastVO lediglich die Entfernung zwischen dem Ort des ersten Abfluges und dem Endziel umfasse. Die tatsächlich zurückgelegte Flugstrecke sei nicht von Bedeutung. Auf der Grundlage dieser Stellungnahme des EuGH sei es somit für die Ermittlung der Entschädigung unerheblich, auf welchem Teilflug die Verspätung entstanden sei. Denn schlussendlich sei die aus zwei Flügen zusammengesetzte Flugreise hinsichtlich der zugrunde zu legenden Distanz wie ein Direktflug zu bewerten.

Entscheidung des EuGH maßgeblich

Das herangezogene Urteil traf der EuGH am 07.09.2017 (Az.: C-559/16). Damals ging es um einen Flug von Rom nach Hamburg, mit Zwischenstopp in Brüssel. Den Fluggästen wurde eine Entschädigung von 400 Euro zugesprochen. Die Fluggesellschaft wollte hingegen lediglich 250 Euro erstatten, da die Verspätung zwischen Rom und Brüssel und somit auf einer Strecke von lediglich 483 km entstand.

­