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Stornierung hochwertiger Reise begründet Schadenersatz wegen vertaner Urlaubsfreude

Werden Reisende erst am Tag des Abflugs über die Stornierung ihrer hochwertigen Urlaubsreise in Kenntnis gesetzt und geschieht dies im Rahmen der ersatzweise gebuchten Reise ein weiteres Mal, so besteht ein Anspruch auf Schadenersatz wegen vertaner Urlaubsfreude. In diesem Fall kann der Reiseveranstalter lediglich einen geringen Teil des Preises einbehalten. Dies hat das Oberlandesgericht Celle mit Urteil vom 10.04.2019 (Az.: 11 U 13/19) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall hatte ein Mann für Oktober 2016 eine Pauschalreise auf die griechische Insel Kos für sich, seine Ehegattin sowie seine beiden Kinder im Alter von 17 und 21 Jahren gebucht. Des Gesamtpreis belief sich auf gut 7.000 Euro. Am Tag vor dem Abflug, der für 3 Uhr in der Nacht vorgesehen war, teilte der Reiseanbieter dem Mann allerdings mit, dass der Flug ersatzlos gestrichen wurde, jedoch ein Ersatzflug organisiert werde. Am Folgetag fand sich die Familie um 1 Uhr am Flughafen ein. Dort musste sie zu ihrem Entsetzen erfahren, dass der Flug nicht stattfinden werde und der Reiseveranstalter die gesamte Reise storniert habe. Daheim angekommen, buchte der Mann eine Ersatzreise nach Kos über denselben Reiseveranstalter zum Gesamtpreis von knapp 9.000 Euro. Als sich der Mann gemeinsam mit seinen Angehörigen erneut am Flughafen einfand, wurden sie abermals darüber informiert, dass der Flug ersatzlos storniert wurde. Daraufhin verbrachte die Familie ihre Urlaubstage daheim. Der Familienvater forderte vom Reiseanbieter die Zahlung von Schadenersatz in Höhe der knapp 9.000 Euro aufgrund vertaner Urlaubsfreude sowie die Erstattung der Taxikosten von 40 Euro. Weil sich das Unternehmen jedoch weigerte, landete die Angelegenheit vor dem Landgericht Hannover.

Anspruch auf Schadenersatz besteht

Das Landgericht sprach dem Familienvater lediglich Schadenersatz in Höhe der Taxikosten zu (Az.: 1 O 186/17). Im Übrigen lehnten die Richter die Klage ab. Mit dem Beschluss nicht einverstanden, legte der Mann Berufung vor dem Oberlandesgericht Celle ein. Mit Erfolg, denn die Richter sahen den Anspruch auf Schadenersatz wegen vertaner Urlaubsfreude als berechtigt an. Zur Begründung führte das Gericht an, dass es sich vorliegend um eine hochwertige Reise gehandelt habe.

Keine Entschädigung in Höhe des vollen Reisepreises

Im Folgenden ging es darum, in welcher Höhe ein Schadenersatzanspruch gerechtfertigt sei. Hierzu erklärte das Gericht, dass eine Entschädigung aufgrund vertaner Urlaubsfreude in Höhe des vollen Reisepreises nicht mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung vereinbar sei. Verwiesen wurde etwa auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 29.05.2018 (Az.: X ZR 94/17). Das oberste deutsche Zivilgericht stellte klar, dass eine vollständige Vereitelung der Urlaubsreise nicht mit einem Fall gleichgesetzt werden könne, in dem die Pauschalreise aufgrund mangelhafter Leistungen des Reiseveranstalters derart stark beeinträchtigt war, dass der Erfolg der Reise nahezu völlig verfehlt worden sei. Unter Berücksichtigung aller Umstände sprach das Oberlandesgericht dem Kläger einen Entschädigungsbetrag von 85 Prozent des Reisepreises zu.

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