­

Kein Schadenersatz bei verpasster Überfahrt mit Fähre

Mit Urteil vom 30.06.2016 (Az.: 213 C 3921/16) hat das Amtsgericht München entschieden, dass eine Fährverbindung in der Regel keine Pauschalreise darstellt. Dies gilt selbst dann, wenn der Kunde neben der Mitnahme seines Fahrzeugs auch eine Kabine für sich bucht. Denn der Fährfahrt fehle es an dem erforderlichen Urlaubscharakter.

Sachverhalt

Über einen Automobilclub in München buchte ein Mann in dem hier vorliegenden Fall am 25.08.2015 eine Fährüberfahrt von Genua nach Tunis mit Rückfahrt. Die Buchung umfasste neben der Beförderung des Autos auch eine Übernachtung für den Mann zu einem Preis von knapp 630 Euro. Als der Mann Genua in der Nacht auf den 23.09.2015 erreichte, musste er feststellen, dass die Abfahrt der Fähre auf den Vortag vorverlegt worden war. Hiervon hatten weder er selbst noch der Automobilclub gewusst. Aus diesem Grund verpasste der Mann die Abfahrt. Er entschied sich daraufhin nach München zu fahren, von wo er einen Flug nach Tunis nahm. Schließlich war die nächste Fährpassage für den 26.09.2015 vorgesehen, wodurch er allerdings das Familienfest vom 25.09.2015 verpasst hätte. Nach der Rückkehr aus seinem Urlaub forderte er den Automobilclub zur Zahlung von Schadenersatz für drei nutzlos verbrauchte Urlaubstage, die Fahrtkosten nebst Autobahnvignetten sowie für die Fährüberfahrt. Er war davon überzeugt, dass die Schiffsüberfahrt als Pauschalreise anzusehen und der Automobilclub als Reiseveranstalter der Fährpassage aufgetreten sei. Auch sah er den Automobilclub beim Beförderungsvertrag als Vertragspartner an. Erstattet bekam er allerdings lediglich die Kosten der Fährüberfahrt. Damit nicht einverstanden, erhob er Klage vor dem Münchener Amtsgericht auf Zahlung von weiteren knapp 850 Euro.

Transport steht bei Schiffsüberfahrt im Vordergrund

Nach Ansicht der Richter könne eine Fährüberfahrt nicht mit einer Pauschalreise gleichgestellt werden. Dies gelte auch dann, wenn eine Kabine neben der Automitnahme gebucht werde. Denn bei einer Schiffspassage ist losgelöst von einzelnen Leistungen allein der Transport von A nach B vordergründig. Diese möchte der Passagier möglichst unkompliziert und schnell erbracht wissen. Die Reise besitze weder auch nur zeitweise einen Urlaubscharakter, noch komme der Leistung ein Erholungswert zu.

Automobilclub habe als Vermittler nicht gegen seine Pflichten verstoßen

Als Vertragspartner des Beförderungsvertrags könne der Automobilclub nicht angesehen werden. Handelt es sich um keine Pauschalreise sondern wie hier vorliegend nur um eine einzelne Beförderungsleistung, so sei davon auszugehen, dass ein Reisebüro lediglich als Vermittler auftritt und die einzelnen Beförderungsleistungen nicht in seiner Verantwortung liegen. Vielmehr wird deutlich, dass er die Leistung nicht als Fluggesellschaft, Reederei oder ähnliches Unternehmen erbringen möchte. Aus den dem Gericht vorliegenden Unterlagen ergäbe sich auch nichts anderes. Eine Verletzung der Informations- und Sorgfaltspflichten könne dem Automobilclub auch nicht vorgeworfen werden. Nur wenn dieser durch die Reederei beauftragt worden wäre oder anderweitig von der Verlegung erfahren hätte, wäre er gegebenenfalls zu entsprechenden Informationen gegenüber dem Verbraucher verpflichtet gewesen. Insgesamt müsse der Automobilclub die Kosten für die Fährüberfahrt nicht erstatten.

­