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Reiseveranstalter muss für Fehlverhalten einer Schmuckmanufaktur nicht haften

Wer als Reiseveranstalter den Besuch in eine Schmuckmanufaktur im Rahmen einer gebuchten Reise organisiert und durchführt, kann für das Fehlverhalten der Manufaktur nicht haftbar gemacht werden. Denn diese ist keine Erfüllungsgehilfin des Reiseveranstalters. Dies geht aus einer Entscheidung des Münchener Amtsgerichts vom 10.06.2016 (Az.: 271 C 8375/16) hervor.

Sachverhalt

Ein Mann aus Königswinter buchte am 09.10.2015 in dem hier zugrunde liegenden Fall eine Studienreise für zwei Personen in die Türkei sowie auf die griechische Insel Rhodos für die Zeit vom 28.10.2015 bis zum 11.11.2015 zum Preis von 516 Euro. Zu den Reiseleistungen zählten Flüge, Übernachtungen, Busrundreise auf Rhodos und in der Türkei, Panoramaüberfahrt nach Rhodos im Katamaran sowie weitere im Reiseangebot aufgeführten Leistungen. Zum siebten Tag stand im Reiseverlauf geschrieben: "Die große Handwerkstradition der Türkei führt uns anschließend in eine Schmuck- und in eine Ledermanufaktur. Neben Informationen über die manuelle Herstellung bekommen sie auch Gelegenheit, ein persönliches Urlaubs-Souvenir zu erwerben."

Urlauber fordert Schadenersatz wegen überteuertem Schmuck

Am besagten Tag besuchte der Mann gemeinsam mit anderen Touristen die Schmuckmanufaktur. Dort erwarb er einen goldenen Ring mit Rubin- und Diamantsplittern und für seine Frau eine goldene Kette mit einem Rubin. Den Schmuck ließ er sich insgesamt 4.300 Euro kosten. Als er in Deutschland ankam, forderte er wegen des Schmuckkaufs von seiner Reiseveranstalterin Schadenersatz, weil er sich zu dem Kauf gedrängt fühlte. Er habe den Ring und die Kette direkt an das Hotel liefern lassen, weil der Schmuck aufgrund von Änderungswünschen nicht gleich mitgegeben worden war. Als der Schmuck aber im Hotel ankam, gab es wegen hektischer Umstände keine Gelegenheit, die Kostbarkeiten in Augenschein zu nehmen. Erst in Deutschland stellte er fest, dass die Kette nicht der ausgesuchten entsprach und die Änderungen am Ring nicht wie gewünscht vorgenommen wurden. Dem türkischen Laden erklärte er mit Schreiben vom 15.12.2015 den Rücktritt. Seiner Ansicht nach belief sich zudem der Wert des Schmucks maximal auf 300 bis 500 Euro. Er war der Meinung, dass die Reiseveranstalterin als Erfüllungsgehilfin anzusehen sei und sie deshalb haftbar gemacht werden könne. Die Reiseveranstalterin verweigerte die Zahlung und verwies darauf, dass sie von der Schmuckmanufaktur noch nicht einmal eine Provision erhalten habe. Daraufhin erhob der Mann Klage vor dem Amtsgericht München.

Reisemangel hat nicht vorgelegen

Das Amtsgericht wies die Klage ab. Denn nach Auffassung der Richter lag kein Reisemangel vor, zumal alle vereinbarten Reiseleistungen erbracht wurden. Der im Rahmen der Reise vorgesehene Besuch der Schmuckmanufaktur habe weder zu einer Haftung der Reiseleiterin für ein vermeintliches Fehlverhalten des Geschäfts noch dazu geführt, dass es zwischen Urlauber und Reiseleiterin hinsichtlich des Schmuckkaufs zu einem Vertrag kam. Erfüllungsgehilfin der Manufaktur sei die Reisedienstleisterin nicht gewesen. Deren Haftung kann auch nicht dadurch begründet werden, dass diese unverbindlich sprachliche sowie organisatorische Unterstützungsleistungen erbracht habe.

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