­

Reiseveranstalter muss über laufende Bauarbeiten informieren

Sind aufgrund eines Hurrikans Sanierungsarbeiten an einem Hotel erforderlich, so muss der Reiseveranstalter seine Kunden bereits vor Reiseantritt darauf hinweisen. Darüber hinaus ist er verpflichtet, über den Zustand der Hotelanlage zu informieren. Andernfalls können die Urlauber aufgrund von Baulärm eine Minderung des Reisepreises wie auch Schadensersatz wegen vertaner Urlaubsfreude geltend machen. Dies ergeht aus einem Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 04.04.2019 (Az.: 2-24-O 160/18).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall buchte eine Frau für sich und ihren Sohn für den Herbst 2017 eine Reise in die Dominikanische Republik. Auf der Insel angekommen, stellte sie jedoch fest, dass Bauarbeiten im Hotel vorgenommen wurden. Und dies, obwohl sie einige Tage zuvor über ihr Reisebüro bei der Reiseveranstalterin anfragen ließ, welche Schäden an der Anlage entstanden seien. Hierbei bekam sie die Info, dass wieder alles in bester Ordnung sei. Tatsächlich wurden jedoch unter anderem einige Hotelzimmer saniert und die Dächer neu gedeckt. Erforderlich wurden diese Arbeiten aufgrund eines Hurrikans, der wenige Tage vor Reisebeginn über die Insel zog. Die Bauarbeiten, die von morgens bis abends andauerten, gingen mit Geräuschbelästigungen durch den Einsatz von Hämmer, Bohrern und Kreissägen einher. Ferner befand sich das Hotelzimmer in der Nähe eines Stromkastens, welcher laufend brummte. Auch tropfte über einen Zeitraum von 1 ½ Tagen Wasser von der Decke in das Badezimmer. Nicht zuletzt ärgerte sie sich über die durchnässten Strandliegen und den verschmutzten Fitnessraum. Einiges hiervon dokumentierte die Urlauberin mithilfe von Bildern und Videoaufzeichnungen. Nach ihrem Urlaub konfrontierte die Frau die Reiseveranstalterin mit den Aufzeichnungen und bekam daraufhin 940 Euro. Nach Ansicht der Urlauberin viel zu wenig, forderte sie aufgrund der Unannehmlichkeiten und vertaner Urlaubsfreude insgesamt gut 8.100 Euro ein. Mangels Einigung erhob sie schließlich Klage vor dem Landgericht Frankfurt am Main.

Baulärm rechtfertigt Reisepreisminderung

Das Landgericht gab der Klage statt und entschied gegen die Reiseveranstalterin. Diese schulde der Klägerin eine Minderung des Reisepreises, weil die Pauschalreise wegen der Bauarbeiten in der Hotelanlage mangelbehaftet gewesen sei. Für angemessen hielten die Richter eine Preisminderung von insgesamt 35 Prozent. Als unerheblich erachtete das Gericht den Umstand, dass die Bauarbeiten nicht sonntags durchgeführt wurden. Zu einer Reduzierung der Minderung führe dies nicht. Darüber hinaus fordere die Klägerin zurecht Schadensersatz aufgrund vertaner Urlaubsfreude ein. Hierbei verurteilte das Gericht die Beklagte zur Zahlung von 3.000 Euro, was rund einem Drittel des Reisepreises entspreche.

Reiseveranstalterin missachtet Informations- und Hinweispflichten

Nach Ansicht der Richter habe sich die Beklagte zu Schulden kommen lassen, die Kundin vor Reisebeginn nicht auf die Bauarbeiten hingewiesen zu haben. Damit sei der Klägerin die Möglichkeit genommen worden, den Rücktritt von der Pauschalreise zu erklären. Es sei Pflicht eines Reiseveranstalters, sich nach einem Hurrikan über den Zustand des Hotels zu informieren und die Erkenntnisse hieraus an die Kunden weiterzugeben.

­