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Reisepreisminderung wegen Lärmemissionen vor Strandvilla

Urlauber, welche auf den Malediven eine Strandvilla buchen, haben bei Lärmbelästigung einen Anspruch auf eine erhebliche Reisepreisminderung. Nämlich dann, wenn die Lärmemissionen unmittelbar vor der Strandvilla von Wasserflugzeugen ausgehen und in der Zeit zwischen 6 und 18 Uhr eintreten. Ein weiterer Minderungsanspruch besteht ferner bei lediglich eingeschränkter WLAN-Nutzung am Urlaubsort. Dies hat das Frankfurter Landgericht mit Urteil vom 22.05.2019 (Az.: 2-24 O 149/18) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall hatte ein Mann für sich und seine Familie eine Pauschalreise auf den Malediven gebucht. Entschieden hatte er sich hierbei für ein luxuriöses 5-Sterne-Resort. Zum Hotel wurden die Gäste mithilfe von Wasserflugzeugen befördert, welche in der Zeit von 6 Uhr und 17/18 Uhr vor einer Strandvilla starteten und landeten. In dieser Strandvilla hatte der Mann seinen Urlaubsaufenthalt gebucht. Wegen dem Flugverkehr konnte ein bestimmter Strandabschnitt nicht zum Verweilen und Baden beansprucht werden. Darüber hinaus funktionierte das WLAN nicht durchgehend: Gelangen dem Mann Verbindungsaufbau und Anmeldung, kam es innerhalb weniger Minuten zu einem Abbruch. Deshalb konnten Internetseiten nicht vernünftig aufgebaut und E-Mails nicht heruntergeladen werden. Nachdem der Urlauber dies gegenüber seinem Reiseanbieter anmerkte, bot dieser ihm an, sich nach einer alternativen Unterkunft umzuschauen - allerdings nur gegen Bezahlung einer Stornogebühr in Höhe von 100 Prozent. Daraufhin organisierte sich der Mann auf eigene Faust eine andere Unterkunft. Zuhause angekommen, forderte der Reisende für die Missstände am Urlaubsort eine signifikante Reisepreisminderung. Das Reiseunternehmen war sich jedoch keiner Schuld bewusst, weshalb die Angelegenheit schließlich vor dem Frankfurter Landgericht verhandelt wurde.

Minderungsanspruch wegen Lärmbelästigung liegt vor

Das Landgericht urteilte zu Gunsten des Klägers und demnach gegen den Reiseanbieter. Aufgrund der erheblichen Lärmemissionen durch die Flugzeuge hielten die Richter eine Reisepreisminderung von 50 Prozent als gerechtfertigt. Auch wenn das luxuriöse Resort gemäß Hotelbeschreibung mit Wasserflugzeugen erreichbar ist, habe die Familie weder davon ausgehen müssen, dass der direkte Strandabschnitt vor der Villa nicht nutzbar sein würde, noch dass hierdurch ein derartiger Lärm erzeugt werde, der eine Erholung und Ruhe unmöglich mache. Ferner müsse Urlaubern zwar nicht nur, jedoch insbesondere in einem mit 5-Sternen klassifizierten Hotel zugestanden werden, über 6 Uhr hinaus schlafen zu können.

Eingeschränktes WLAN rechtfertigt ebenfalls eine Reisepreisminderung

Eine weitere Minderung des Reisepreises von 15 Prozent sprach das Gericht dem Kläger aufgrund des eingeschränkten WLANs zu. In der Hotelbeschreibung sei von einem freien WLAN-Zugang die Rede gewesen. Reisende dürfen in der besonders hochwertig beschriebenen Resort-Kategorie damit rechnen, überall innerhalb der Hotelanlage zumindest solche Onlineaktivitäten vornehmen zu können, die während des Urlaubs typisch seien. Hierzu gehört die Nutzung von Messengerdiensten, uneingeschränkter E-Mail-Zugang, Aufrufen von Internetseiten usw. Nicht zuletzt sprachen die Richter dem Mann für den Tag des Umzugs in die andere Unterkunft eine 100%-ige Minderung des Reisepreises aufgrund nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit und die Erstattung der Mehrkosten zu.

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