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Reisepreisminderung kann aufgrund nicht getrenntem Schlafraum gerechtfertigt sein

Reiseveranstalter sind dazu verpflichtet, auf die nicht erfüllbaren Sonderwünsche ihrer Kunden hinzuweisen. Erfolgt dies nicht und werden die Wünsche nicht erfüllt, ist von einem Reisemangel auszugehen, welcher eine Reisepreisminderung rechtfertigt. Zu Lasten des Reiseveranstalters gehen überdies auch etwaige Übermittlungsfehler des Reisebüros. Dies hat das Frankfurter Landgericht mit Urteil vom 03.04.2019 (Az.: 2-24 S 162/18) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall buchte ein Mann für seinen Strandurlaub in einem Hotel eine Juniorsuite. Die Buchung nahm er über ein Reisebüro vor. Aus dem Reiseprospekt des Reiseanbieters ging nicht hervor, ob die Suite über getrennte Schlaf- bzw. Wohnzimmer verfügte. Gegenüber dem Reisebüro erklärte der Mann, dass er die Trennung dieser Räume wünsche. Vor Ort angekommen musste der Reisende jedoch feststellen, wie Wohn- und Schlafzimmer nicht räumlich voneinander getrennt waren. Mit diesem Umstand konfrontierte er den Reiseveranstalter, welcher jedoch jegliche Schuld von sich wies. Der Mann sah hierin hingegen eine Verfehlung des Reiseanbieters sowie einen Reisemangel und forderte das Unternehmen zu einer Minderung des Reisepreises auf. Weil sich der Reiseveranstalter weigerte, erhob der Reisende Klage vor dem Amtsgericht Bad Homburg.

Reisender hat Anspruch auf Reisepreisminderung

Vor dem Amtsgericht hatte der Kläger am 18.05.2018 (Az.: 2 C 1728/17 (10)) das Nachsehen. Hiergegen ging der Mann vor dem Frankfurter Landgericht in Berufung. Die 24. Zivilkammer des Landgerichts hob das erstinstanzliche Urteil auf und entschied zu Gunsten des Kunden. Ein Anspruch auf Reisepreisminderung stehe dem Kläger zu. Es könne nach Ansicht des Gerichts dahinstehen, ob sich der Reiseanbieter eine etwaige unzutreffende Zusage des Reisebüros in Bezug auf die räumliche Gestaltung des Hotelzimmers zurechnen lassen muss, wenn diese zu den Angaben im Reiseprospekt des Veranstalters "in offenem Widerspruch" steht. Eine derartig offensichtlich falsche Zusage sei vorliegend entgegen der Ansicht des Amtsgerichts nicht gegeben. Wie die Zimmer einer Juniorsuite aufgeteilt seien und über wie viele getrennte Schlaf- bzw. Wohnräume diese verfüge, ergebe sich aus dem Reiseprospekt nicht. Der Kläger habe hier einen Sonderwunsch geäußert. Wird auf diesen Wunsch über die Reisebestätigung nicht eingegangen, so gilt er vom Reiseanbieter als akzeptiert. Andernfalls hätte er auf die Abweichung ausdrücklich hinweisen müssen.

Reiseveranstalter muss sich fehlende Kommunikation mit Reisebüro anlasten lassen

Etwaige Übermittlungsfehler des Reisebüros gehen zu Lasten des Reiseveranstalters, so das Landgericht. Denn bei der Entgegennahme von Sonderwünschen tritt das Reisebüro als Empfangsvertreter des Reiseanbieters auf. Äußerungen gegenüber dem Reisebüro gelten somit unmittelbar gegenüber dem Reiseanbieter. Als Minderung erachtete das Berufungsgericht 15 Prozent des Reisepreises als angemessen an, demnach umgerechnet 551 Euro.

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