­

Reiseversicherung kommt für gestohlene Reisedokumente nicht auf

Werden ausschließlich Schäden am Eigentum durch eine Reiseversicherung gedeckt, so stellt der Verlust von Reisepapieren keinen Versicherungsfall dar. Der reine Sachwert der Dokumente sei zu gering und Folgekosten nicht mitversichert. Kommen so etwa die Reisetickets bei einem Überfall abhanden, muss die Reiseversicherung für diesen Schaden nicht aufkommen. Dies hat das Landgericht Hildesheim mit Beschluss vom 06.01.2017 (Az.: 7 S 136/16) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall ging es um einen Mann mit chilenischem Reisepass, der in Nordstemmen wohnhaft war. Dieser hatte im Jahr 2015 eine Reise in sein Heimatland unternommen und befand sich dort am 09.06.2015 auf dem Weg zum Flughafen. Dort angekommen wurde er Opfer eines Überfalls. Die Täter raubten den Mann aus und nahmen ihm dabei auch seinen Reisepass sowie seine Flugtickets für den Rückflug ab. Aufgrund dieses Zwischenfalls konnte der Mann seinen Rückflug nach Deutschland nicht antreten. Er ließ sich daraufhin einen neuen Reisepass ausstellen und erwarb ein neues Flugticket. Hierdurch entstanden ihm Kosten von etwa 1.800 Euro, die er von seiner Reiseversicherung erstattet haben wollte. Der Versicherer lehnte allerdings die Deckung ab, da sich kein versicherter Leistungsfall konkretisiert habe. Der Mann konnte dies nicht nachvollziehen, da gemäß Versicherungsbedingungen auch erhebliche Schäden am Eigentum versichert sein sollen, sofern sie unter anderem durch strafbare Handlungen im Verlauf der Reise hervorgerufen werden. Aus diesem Grund erhob der Reisende Klage vor dem Amtsgericht Elze.

Landgericht hebt erstinstanzliches Urteil auf

Das Amtsgericht hatte in erster Instanz eine Einstandspflicht des Versicherers bejaht und der Klage so weitestgehend stattgegeben. Anschließend legte der Versicherer vor der 7. Zivilkammer des Landgerichts Hildesheim Berufung ein. Daraufhin wiesen Richter die Klage ab und entschieden so zugunsten der Versicherungsgesellschaft.

Erheblicher Schaden am unmittelbaren Eigentum liegt nicht vor

Seine Entscheidung begründete das Landgericht damit, dass weder der Diebstahl von Ausweispapieren noch der Reisedokumente ein versichertes Ereignis nach den geltenden Versicherungsbedingungen darstelle. Denn ein erheblicher Schaden unmittelbar am Eigentum des Versicherten liege bei einem Diebstahl von Flugtickets, Fahrkarten, Pässen und Reiseunterlagen nicht vor. Es komme hier lediglich auf den reinen Sachwert der Dokumente an, der hier nämlich gering sei. Bei den entstandenen Kosten in Höhe von ungefähr 1.800 Euro gehe es um reine Folgekosten, die gemäß den Versicherungsbedingungen ohnehin ausgeschlossen sind. Anders hätte der Fall gelegen, wenn dem Kläger infolge des Überfalls Wertgegenstände entwendet worden wären. Diese wären vom Versicherungsschutz grundsätzlich umfasst gewesen. Gleiches gilt, wenn ein Einbruch oder Brand in der Wohnung kurz vor Antritt der Reise eintritt und diese daraufhin storniert wird. Das Urteil ist rechtskräftig.

­