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Meerblick setzt bei Kreuzfahrt keinen ungehinderten Ausblick voraus

In vielen Fällen macht sich unter Pauschalreisenden eine große Enttäuschung breit, wenn die Angaben im Reiseprospekt mit den örtlichen Gegebenheiten nicht wie erwartet übereinstimmen. Etwa dann, wenn der versprochene Meerblick im Rahmen einer Kreuzfahrtreise nicht in jeglicher Hinsicht ungehindert gegeben ist. Kann jedoch von einer kreuzfahrttypischen Ausstattung und Lage der Passagierkabinen ausgegangen werden, so muss der Reisende die Abstriche beim Meerblick hinnehmen. Dies hat das Amtsgericht Frankfurt am Main mit Urteil vom 04.07.2019 (Az.: 29 C 404/18 (40)) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall buchte eine Frau für sich und ihren Mann bei einer Reiseagentur eine Kreuzfahrt unter der Bezeichnung "Lebenstraum Hurtigruten". Sie entschied sich dabei für die Außenkabine "Superior", für welche gegenüber der Standardkabine ein Aufpreis von 700 Euro fällig wurde. Im Prospekt beschrieb die Reiseveranstalterin die Kabinenkategorie folgendermaßen:


Mit malerischem Meerblick: Diese zum Großteil auf den oberen Decks gelegenen Außenkabinen erfreuen Sie neben dem "Standardkomfort" mit Tee-/Kaffeezubereitungsmöglichkeit und einem Fenster für das Genießen privater Nordlandmomente!

Die Vorstellung, welche die Reisenden jedoch von einem Meerblick hatten, kollidierte mit den Gegebenheiten vor Ort. Nahezu unmittelbar vor dem Fenster der bezogenen Kabine befand sich ein Panoramadeck, auf welchem die Gäste den Kreuzfahrtdampfer umrunden konnten. Gesichert war das Deck mit einer Reling, welche aus dünnen Metallstreben bestand und die im Blickfeld des Kabinenfensters lag. In der Kabine lag das Bett am Fußende lediglich 25cm von der Kabinenwand entfernt und so hoch, dass das Ehepaar darauf sitzend den Boden nicht mit ihren Füßen berühren konnte. Die Eheleute forderten die Reiseveranstalterin zur Erstattung des Preisunterschieds zwischen Superior- und Standard-Außenkabine auf. Schließlich hatten sie sich unter einem Meerblick etwas anderes vorgestellt. Weil sich das Unternehmen jedoch weigerte, erhob das Ehepaar Klage vor dem Amtsgerichts Frankfurt am Main.

Anspruch auf teilweise Erstattung des Reisepreises besteht nicht

Das Amtsgericht wies die Klage ab und entschied somit zu Gunsten des Reiseunternehmens. Den Klägern stehe kein Anspruch auf Minderung des Reisepreises zu. Nach Ansicht der Richter habe die Kabine über den versprochenen Meerblick verfügt. Ein eingeschränkter Blick auf das Meer könnte zwar einen Reisemangel begründen. Doch die Beschaffenheit der Reling lasse im vorliegenden Fall eine ausreichende Sicht zu.

Blick auf das Meer ist gewährleistet

Die Angabe im Reisekatalog, dass Gäste einer Superior-Kabine von einem malerischen "Meerblick" profitieren, sei nicht zu beanstanden. Einerseits diene eine derartige Beschreibung Werbezwecken. Und zum anderen habe der Reiseveranstalter auf diesem Wege keinen in jeglicher Hinsicht ungehinderten Blick auf das Meer zugesagt. Ebenfalls nicht als Reisemangel sei der Umstand zu werten, dass andere Passagiere vor dem Kabinenfenster entlanglaufen konnten. Zur Begründung verwies das Gericht auf eine Angabe im Katalog, wonach sich die Superior-Kabinen zum größten Teil auf den oberen Decks befinden. Die Kläger hätten somit damit rechnen müssen, dass sich vor allem hier für gewöhnlich die Promenadendecks befinden. Eine vorübergehend versperrte Sicht durch zeitweise flanierende Gäste sei als typische Folge des Massencharakters der gebuchten Kreuzfahrtreise hinzunehmen. Und auch die erhöhte Position des Bettes und die eingeschränkte Erreichbarkeit des Fußendes können nicht als Reisemangel qualifiziert werden. Es sei allgemein bekannt, dass der Platz von Schiffskabinen beschränkt sei und der gewonnene Platz für das Gepäck vorgesehen werde. Nicht zuletzt beschreibe sich der Kreuzfahrtanbieter Hurtigruten nicht als Luxusdampfer, weshalb auch kein erhöhter Komfort erwartet werden dürfe.

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