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Massenhafte Krankmeldung von Flugpersonal stellt außergewöhnlichen Umstand dar

Die Krankmeldungen eines erheblichen Teils der Crew stellen unabhängig davon, ob eine tatsächliche Fluguntauglichkeit oder ein "Wilder Streik" zugrunde liegt, einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne der Fluggastrechtsverordnung (FluggastVO) dar. Sind Passagiere hiervon in Form eine Flugannullierung betroffen, haben diese keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 03.05.2017 (Az.: 29 C 3361/16 (40)).

Sachverhalt

In dem hier verhandelten Fall wurde ein Flug von Frankfurt am Main nach Heraklion im Oktober 2016 annulliert. Zu diesem Schritt sah sich die Airline gezwungen, nachdem es zu massenhaften Krankmeldungen von Seiten der Crew kam. Eine Aufrechterhaltung des gewöhnlichen Flugbetriebs konnte somit nicht mehr gewährleistet werden. Zwar erwarb die Fluggesellschaft Subcharter und rekrutierte zusätzliches Personal, trotzdem musste sie den Flugbetrieb umstellen, was Flugannullierungen zur Folge hatte. Die massenhaften Krankmeldungen waren eine Folge der seitens des Luftfahrtunternehmens geplanten Umstrukturierungspläne, welche bei Teilen der Belegschaft auf Widerstand stießen. Weil von der Flugannullierung betroffen, forderten drei Fluggäste die Airline zur Zahlung einer Entschädigung auf. Dem wollte die Fluggesellschaft, die sich auf einen außergewöhnlichen Umstand gemäß Art. 5 Abs. 3 der FluggastVO berief, nicht entsprechen. Aus diesem Grund erhoben die Fluggäste Klage vor dem Amtsgericht Frankfurt a. M. auf Zahlung einer Ausgleichsentschädigung.

Anspruch auf Ausgleichszahlung besteht nicht

Das Amtsgericht lehnte die Klage ab und entschied zu Gunsten der Fluggesellschaft. Ein Anspruch auf Ausgleichszahlung stehe den drei Klägern wegen der Flugannullierung nicht zu. Denn das Luftfahrtunternehmen könne sich mit Erfolg auf einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne von Art. 5 Abs. 3 FluggastVO berufen. Die Richter werteten den Umstand als außergewöhnlich und zwar unabhängig davon, ob es sich tatsächlich um eine massenhafte Flugdienstuntauglichkeit oder aber um einen sogenannten "wilden Streik" gehandelt habe. Ein erheblicher Ausfall der erforderlichen Personalcrew sei absolut unerwartbar und als untypisch zu qualifizieren. Für ein Luftfahrtunternehmen stelle dies auch eine nicht beherrschbare Situation dar. Insbesondere könne es keiner Firma zugemutet werden, Überlegungen zur zukünftigen wirtschaftlichen und strategischen Ausrichtung des Unternehmens zu unterlassen. Unzählige historische Beispiele großer Firmeninsolvenzen, -verkäufe und -umstrukturierungen haben gezeigt, dass mit einem derartigen Verhalten des Personals nicht gerechnet werden müsse.

Zumutbare Maßnahmen wurden ergriffen

Nach Auffassung des Gerichts habe die Airline sämtliche ihr zumutbaren Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen des massenhaften Personalausfalls auf den Flugbetrieb und damit auf die Fluggäste so gering wie möglich zu halten. Vor allem habe sie den Betriebsablauf reorganisieren dürfen. Eine Überprüfung der Flugdienstuntauglichkeit der Angestellten oder arbeitsrechtliche Schritte seien in Anbetracht des damit einhergehenden personellen sowie zeitlichen Aufwands und des risikobehafteten Ausgangs des Gerichtsverfahrens nicht zumutbar gewesen.

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