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Fluggesellschaft muss bei kurzfristigem Storno nur Taxen erstatten

Nimmt ein Kunde das Storno seines Fluges vor, muss die Airline lediglich Zuschläge für den Treibstoff, Gebühren sowie Steuern erstatten. Den übrigen Ticketpreis darf sie hingegen komplett behalten. Dies gilt allerdings nur dann, wenn Sie die Unmöglichkeit der Weitervermittlung der stornierten Flugtickets belegen kann. Sind in der vom Kunden gebuchten Beförderungsklasse noch Plätze frei, so genügt dies als Beleg. So lautet das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 02.03.2017 (Az.: 2-24 S 138/16).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall erklärte ein Reisender gegenüber seiner Airline einen Monat vor dem geplanten Flug im April 2015 die Kündigung des Beförderungsvertrages. Daraufhin erstattete ihm das Luftfahrtunternehmen lediglich die im Ticketpreis enthaltenen Gebühren, Steuern sowie Zuschläge für das Kerosin. Den Preis für den in der Economy Class gebuchten Sitzplatz behielt sie hingegen vollständig ein. Als Begründung gab die Airline an, die stornierten Tickets nicht mehr weiterveräußern zu können. Dies wurde seitens des Reisenden bestritten. Er führte an, dass ein Ticket in der von ihm zuvor gebuchten Tarifklasse später nicht mehr verfügbar war. Tatsächlich waren in der Economy Class lediglich 157 von insgesamt 183 Plätzen belegt. Zwar wurden die durch das Storno frei gewordenen Plätze nicht mehr in der einst gebuchten Tarifklasse angeboten, dafür aber in einer anderen. Weil sich beide Parteien nicht einig wurden, erhob der Fluggast Klage vor dem Amtsgericht.

Rückzahlung auf Erstattung des Gesamtpreises besteht nicht

Die Richter am Amtsgericht wiesen die Klage des Passagiers auf Rückzahlung der gesamten Ticketkosten ab. Gegen dieses Urteil legte der Reisende Berufung vor dem Landgericht Frankfurt a. M. ein. Dieses bestätigt allerdings das erstinstanzliche Urteil. Eine Rückzahlung des gesamten Ticketpreises könne der Kläger nicht verlangen. Denn den Preis für den gebuchten Sitzplatz in der Economy Class habe das Luftfahrtunternehmen entsprechend § 648 Satz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) einbehalten dürfen. Schließlich sei ihr die Weiterveräußerung der Tickets unmöglich gewesen.

Freie Plätze belegen Unmöglichkeit des Weiterverkaufs

Nach Ansicht des Gerichts könne eine Airline die Unmöglichkeit eines Weiterverkaufs stornierter Tickets belegen, wenn die Beförderungsklasse des gekündigten Beförderungsvertrags noch freie Plätze aufweist. Ist diese hingegen vollständig belegt, kann davon ausgegangen werden, dass die Tickets anderweitig veräußert werden konnten. Hiervon ist auch dann auszugehen, wenn in einer anderen Klasse noch Plätze verfügbar waren. Möchte eine Airline beweisen, dass sie die stornierten Tickets nicht weiterverkaufen konnte, müsse sie darlegen, wie viele Beförderungsklassen das Flugzeug zähle, welche Kontingente für jede Klasse vorgesehen sind und wie die Auslastung in der gebuchten Beförderungsklasse war. Allerdings müsse laut Richter nicht auf Buchungs- oder Tarifklasse abgestellt werden. So müsse die Airline nicht darlegen, ob ein Sitzplatz in der entsprechend gebuchten Buchungs- oder Tarifklasse unbesetzt geblieben war.

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