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Luftfahrtunternehmen darf Flug nicht eigenmächtig umbuchen

Nimmt eine Airline eine eigenständige Umbuchung eines Zubringerfluges vor und führt dies dazu, dass Passagiere ihren gebuchten Anschlussflug nicht planmäßig erreichen, so muss sie eine Ausgleichszahlung leisten. Denn dieser Umstand steht einer Nichtbeförderung im Sinne der Fluggastrechteverordnung gleich. Dies ergibt sich aus einem Beschluss des Düsseldorfer Amtsgerichts vom 15.12.2017 (Az.: 49 C 343/17).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall buchten zwei Frauen für April 2017 über ein Luftfahrtunternehmen einen Flug von Düsseldorf über Paris nach Johannesburg. Der Zubringerflug von Düsseldorf nach Paris sollte jedoch von einer anderen Airline durchgeführt werden. Allerdings wurde dieser Flug einen Tag vor der Abreise annulliert. Deshalb nahm die Fluggesellschaft, über die die Flugreise gebucht worden war, eigenmächtig eine Umbuchung des gesamten Fluges vor. Der Flug sollte nunmehr gemäß neuer Reiseroute von Düsseldorf über Amsterdam nach Johannesburg führen. Die beiden Fluggäste erklärten sich hiermit jedoch nicht einverstanden, weil eine der beiden Damen lediglich über Frankreich nach Südafrika habe einreisen dürfen. Anschließend buchte das Luftfahrtunternehmen die beiden Reisenden wieder auf die ursprüngliche Flugroute um. Allerdings beanspruchten diese wegen der ersten Umbuchung eine Ausgleichszahlung, weil sie diese Umbuchung als Nichtbeförderung erachteten. Die Airline war da anderer Ansicht und lehnte die Forderung der beiden Frauen ab. Aus diesem Grund erhoben diese eine Klage vor dem Düsseldorfer Amtsgericht.

Anspruch auf Ausgleichszahlung wegen Nichtbeförderung besteht

Das Amtsgericht entschied zu Gunsten der beiden Reisenden und gab der Klage statt. Den Frauen stehe entsprechend Artikel 7 der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO) ein Anspruch auf Ausgleichszahlung zu. Indem die Fluggesellschaft von sich aus die Umbuchung des Fluges vornahm, habe sie die Beförderung auf dem Flug von der französischen Hauptstadt nach Südafrika gegen den Willen der Passagiere verweigert. Hierin sei eine Nichtbeförderung im Sinne von Artikel 4 Abs. 3 FluggastVO zu sehen. Nach Ansicht der Richter habe der annullierte Zubringerflug keine Flugumbuchung gerechtfertigt. Die Rechtfertigung für eine mangelnde Beförderung müsse gerade den Flug betreffen, mit welchem die Beförderung negiert wurde. Jedoch erfolgte der Flug von Frankreich nach Südafrika planmäßig.

Eigenmächtige Flugumbuchung ist nicht durch Fluggastrechte gerechtfertigt

Die Aussage der Fluggesellschaft, wonach sie durch die Flugumbuchung lediglich ihrer Rechtspflichten nach Artikel 8 der FluggastVO in Bezug auf die Annullierung des Zubringerfluges nachgekommen sei, ließ das Gericht nicht gelten. Der nach dieser Vorschrift bestehende Anspruch der Reisenden auf anderweitige Beförderung oder auf Erstattung der Ticketkosten gebe der Fluggesellschaft nicht das Recht, die Reisenden ohne jegliche Rücksprache und somit eigenmächtig auf eine andere Flugroute umzubuchen. Es obliege einzig und allein den Reisenden, welches nach Artikel 8 der FluggastVO bestehende Recht ausgeübt werden soll.

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