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Lebensgefährdeter Schiffspassagier darf von Bordes verwiesen werden

Besteht für den erkrankten Passagier eines Kreuzfahrtschiffes auch nur ein geringes Risiko einer Lebensgefahr, so darf er vom Kapitän des Schiffs von Bordes verwiesen werden. Dem Passagier steht in einem derartige Fall auch kein Anspruch auf Reisepreisminderung oder Schadenersatz zu. So lautet der Beschluss des Rostocker Landgerichts vom 11.10.2019 (Az.: 1 O 27/18).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall unternahm eine Frau im Alter von 83 Jahren im Juni und Juli 2017 eine Skandinavienreise mit einem Kreuzfahrtschiff. Im Laufe der Reise begab sie sich aufgrund anhaltender Darmbeschwerden in das Bordhospital. Seit rund 20 Jahren litt die Reisende an einer Darmerkrankung, welche als colitus ulcerosa diagnostiziert wurde. Nach der Untersuchung wurde sie seitens der Bordärztin als medizinisches Risiko eingestuft. Dies deshalb, weil die Ärztin eine signifikante Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes nicht ausschließen konnte. Dadurch könne eine zeitnahe intensive medizinische Behandlung erforderlich werden. Aufgrund dieses medizinisches Berichts verwies der Kapitän des Schiffes die Frau von Bord. Damit nicht einverstanden, klagte die Reisende daheim angekommen vor dem Rostocker Landgericht auf Reisepreisminderung sowie Zahlung von Schadensersatz.

Anspruch auf Reisepreisminderung und Schadenersatz besteht nicht

Das Landgericht wies die Klage ab und entschied somit zu Gunsten der Reederei. Nach Auffassung der Richter stehe der Frau weder ein Anspruch auf Schadensersatz noch auf Minderung des Reisepreises zu. Als Begründung gab das Gericht an, dass der Beklagten kein Fehlverhalten vorgeworfen werden könne. Die Reederei habe den Reisevertrag in Person des Kapitäns wirksam kündigen dürfen, weil der körperliche Gesundheitszustand der Klägerin eine Weiterreise nicht zugelassen habe. Alles andere hätte für die Frau selbst ein Risiko dargestellt. Der Kündigungsgrund ergab sich unter anderem aus Ziffer 6.2 der Reisebedingungen:

"Lässt der geistige oder körperliche Zustand eines Kunden eine Reise bzw. eine Weiterreise nicht zu, weil dieser den Kunden reiseunfähig macht oder eine Gefahr für den Kunden selbst oder jemanden sonst an Bord darstellt, kann die Beförderung verweigert oder die Urlaubsreise des Kunden jederzeit abgebrochen werden. Für eventuell entstehende Mehrkosten steht ... Cruise nicht ein."

Bordverweis durch mögliche Lebensgefahr gerechtfertigt

Da ein mögliches Lebensrisiko oder zumindest ein Gesundheitsrisiko bestanden habe, sei der Bordverweis gerechtfertigt gewesen. Die Gefahr sei zwar gering ausgefallen. Doch im Falle ihrer Verwirklichung wäre das Risiko äußert erheblich gewesen. Die Entscheidung über die Weiterreise obliege in Absprache mit dem Bordarzt dem Kapitän. Hierbei habe er einen Ermessens- und Beurteilungsspielraum. Ihm müsse es im Falle einer Lebensgefahr für den Reisenden, selbst bei geringer Wahrscheinlichkeit eines sich konkretisierenden Risikos, erlaubt sein, den Reisenden von Bord zu verweisen.

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