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Kreuzfahrtpassagier ist bei ausgestandener Erkrankung zu befördern

Verlässt ein über 80-Jahre alter Passagier zur Behandlung einer Lungenkrankheit für vier Tage das Kreuzfahrtschiff, so hat dieser ein Recht auf Weiterbeförderung, wenn die Krankheit als auskuriert anzusehen ist. Andernfalls kann dieser einen Anspruch auf Schadensersatz geltend machen. So lautet das Urteil des Koblenzer Landgerichts vom 09.07.2019 (Az.: 13 S 13/19).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall buchte ein 81-jähriger Mann für den März 2017 gemeinsam mit seiner Begleiterin eine Kreuzfahrt von Singapur nach Barcelona. Nachdem die Reise bereits angetreten war, erkrankte der Mann in Penang an der Lungenkrankheit COPD. Zur Behandlung musste sich der Passagier über vier Tage in die Intensivstation eines örtlichen Krankenhauses begeben. Im Anschluss daran flog er gemeinsam mit seiner Begleiterin nach Mumbai, um seine Reise auf dem Kreuzfahrtschiff fortzusetzen. Vor Ort angekommen, wurde ihm allerdings der Zutritt an Bord durch den Schiffsarzt mit Hinweis auf gesundheitliche Risiken verweigert. Grund hierfür war auch eine inzwischen auf dem Kreuzfahrtdampfer aufgetretene Influenzaerkrankung. Der Mann und seine Begleiterin mussten schließlich vorzeitig die Heimreise antreten. Aufgrund des frühzeitigen Reiseabbruchs forderte der Urlauber von der Reiseveranstalterin Schadensersatz für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit. Weil sich diese weigerte, erhob er Klage vor dem Amtsgericht Westerburg.

Gerichte urteilen zu Gunsten des Passagiers

Nachdem das Amtsgericht der Klage am 14.03.2019 (Az.: 24 C 337/17) stattgab, bestätigte das Koblenzer Landgericht das erstinstanzliche Urteil. Nach Auffassung der Gerichte stehe dem Kläger ein Anspruch auf Schadensersatz in Höhe von 1.275,70 Euro zu, da ihm die Beförderung seitens des Schiffsarztes zu Unrecht untersagt worden sei. Denn ein gerichtlich eingeholtes medizinisches Sachverständigengutachten bestätigte, dass der Mann nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus vollständig genesen war. Ferner sei das Risiko einer Ansteckung an Bord nicht größer gewesen als bei allen anderen Passagieren. Nicht zuletzt auch schon deshalb, weil der Mann gegen Grippe geimpft war. Insoweit sei von einer fehlerhaften Einschätzung des Schiffsarztes auszugehen.

Zusätzliches Gesundheitszeugnis nicht erforderlich

Der Kläger habe aufgrund der nur wenige Stunden dauernden Liegezeit des Schiffes im Hafen von Mumbai sowie einer Zeitverschiebung von über 4 Stunden nicht die Zeit gehabt, seine Reisefähigkeit durch einen ortansässigen Arzt bestätigen zu lassen. Auch wäre es dem Mann nicht zumutbar gewesen, dem Schiff erneut nachzureisen, um dieses zu einem späteren Zeitpunkt zu betreten. Darüber hinaus habe der Kläger noch nicht einmal einen Ansprechpartner an Bord gehabt. Für jeden voll entgangenen Reisetag erachtete das Gericht eine Entschädigung von 50 Prozent des Reisepreises als angemessen an. Für den Tag der Ankunft und der Abreise seien 20 Prozent ausreichend, da der Erholungseffekt an diesen Tagen ohnehin eingeschränkt sei.

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