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Keine Reisepreisminderung bei Abweichung von unklarer Reiseleistung

Weist der Reisevertrag einer gebuchten Radtour keine exakt zugesicherten Eigenschaften im Hinblick auf Gesamtlänge, Streckenführung sowie den zu absolvierenden Höhenmetern auf, so kann der Reisende bei einer Unterschreitung nicht zwingend eine Minderung des Reisepreises fordern. Dies hat das Münchener Amtsgericht mit Urteil vom 28.10.2019 (Az.: 191 C 7612/19) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall buchte ein Mann zusammen mit zwei Freunden eine geführte siebentägige "Transalp Mountain Rad-Tour". Ausgeschrieben war die von Grainau bei Garmisch bis zum Gardasee verlaufende Stecke als eine sportliche Radtour abseits der Pisten im Medium Segment für Fortgeschrittene mit guter Radbeherrschung und äußerst guter Kondition. In der Reisebeschreibung war von Übernachtungen in Molveno, Andrian, Glurns, Prutz sowie Ehrwald, sechs Etappen sowie von etwa 10.700 Höhenmetern und einer Gesamtstrecke von circa 400 km die Rede. Nachträglich warfen die erfahrenen Mountainbiker dem Reiseveranstalter vor, dass lediglich 364 km bei 8.566 Höhenmetern zurückgelegt worden seien und hiervon ganze 100 km lediglich auf Asphalt. Darüber hinaus sei die Tour nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden, da der begleitende Guide konditionell angeschlagen war. Dieser habe ferner Fußgänger, Rad- sowie Autofahrer angepöbelt und als ein Teilnehmer gestürzt war nichts unternommen. Stattdessen sei er weitergefahren, ohne sich zu vergewissern, ob der gestürzte Teilnehmer ihm weiter folgen konnte. Der Guide war da ganz anderer Ansicht und ließ über seinen Geschäftsführer mitteilen, dass kein Radrennen über die Alpen zugesagt wurde, sondern mit "Freude am Leben und Naturerfahrung" geworben wurde. Die Tour war ferner nicht unter "Go Wild" sondern im Medium Segment eingeordnet worden. Der Guide ließ zudem mitteilen, dass 900 Höhenmeter einer Routenänderung zum Opfer gefallen seien, nachdem sich eine Woche zuvor Wanderer über Radfahrer beschwert hatten. Den Teilnehmern sei es ferner am Molvenosee angeboten worden, die fehlenden Höhenmeter in Eigenregie nachholen zu können. Da es sich nicht um eine Trailtour sondern um eine Transalp gehandelt habe, seien insgesamt 85 km Asphaltanteil unumgänglich gewesen. Hinsichtlich seiner Gesundheit ließ der Guide mitteilen, dass er im Anschluss an einer Krankenhausbehandlung tatsächlich angewiesen worden sei, sich nicht zu verausgaben. Weil sich die Parteien nicht einigen konnten, erhob der Urlauber Klage vor dem Amtsgericht München.

Anspruch auf Minderung des Reisepreises besteht nicht

Das Amtsgericht wies die Klage ab und entschied zu Gunsten des Reiseanbieters. Mit Fehlern behaftet, welche die Tauglichkeit und den Wert gemindert hätte, sei die gebuchte Reise nicht gewesen. Weder im Hinblick auf die zu absolvierenden Höhenmeter, die Gesamtlänge sowie die Streckenführung habe eine zugesicherte Eigenschaft der gebuchten Reise vorgelegen. Es sei keine konkrete Strecke/Weg in den vor Vertragsabschluss zugänglichen Reiseunterlagen dargestellt worden. Eine bestimmte Anzahl an Höhenmetern fand sich im Reisevertrag ebenfalls nicht. Gegen eine Zusicherung spreche bereits der Umstand, dass die Angaben zu Höhenmetern und Strecke lediglich ungefähre Anhaben enthielten.

Bei Reiseleistung ist mit gewisser Ungewissheit zu rechnen

Nach Auffassung des Gerichts ist bei dieser Art der Reiseleistung hinsichtlich der Route immer mit einer gewissen Ungewissheit zu rechnen. Die vom Reiseanbieter vorgesehene Streckenführung müsse am Tag der Reise auch nach den Witterungs- und Wegverhältnissen durchführbar sein, weshalb selbst eine kurzfristige Änderung naheliegend sei. Ferner sei die Reise nach Ansicht der Richter wie vereinbart erbracht worden: Das Ziel wurde plangerecht erreicht und es wurden sechs Etappen durchgeführt. Der Asphaltanteil stelle ebenfalls keinen Mangel dar, ist dieser schließlich verkehrsüblich. Die Behauptung, der Guide habe einem Teilnehmer nach dessen Sturz nicht geholfen, konnte der Kläger nicht fundiert darlegen. Letztlich stehe auch die monierte Unhöflichkeit des Beklagten nicht für einen Reisefehler.

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