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Insolvenzrisiko einer Fluggesellschaft geht auf Ticketzwischenhändler über

Die Gefahr, dass eine Airline Pleite geht, muss ein Ticketzwischenhändler mittragen. Demzufolge steht einem Reisenden im Insolvenzfall gegen den Ticketzwischenhändler ein Anspruch auf Erstattung der Ticketkosten zu. So lautet das Urteil des Bremer Amtsgerichts vom 22.02.2018 (Az.: 9 C 247/17).

Sachverhalt

Insolvenzen bei Luftbeförderungsunternehmen sind kein Einzelfall. Zuletzt traf es die seit Jahren angeschlagene Air Berlin. Oftmals bleibt den Fluggästen lediglich die Möglichkeit, ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anzumelden und zu hoffen, dass zumindest ein Teil des Gesamtpreises zurückerstattet wird. Handelt es sich nicht nur um eine reine Flug- sondern um eine Pauschalreise, profitieren Fluggäste vom sogenannten Sicherungsschein. Wird in solchen Fällen die Airline insolvent, muss der Reiseveranstalter für die Reisenden einen Flug bei einer anderen Fluggesellschaft buchen. In dem hier vorliegenden Fall ging es jedoch um die Frage, inwiefern eine Ticketzwischenhändlerin, über deren Portal Flugtickets von Düsseldorf nach Havanna gebucht wurden, für eine insolvente Fluglinie einstehen muss. Konkret handelte es sich bei dem Luftbeförderungsunternehmen um Air Berlin, bei der Händlerin hingegen um Consolidator. Auf deren Konto bezahlte die Verbraucherin die Kosten für die Tickets. Durch die Zahlungsunfähigkeit und damit einhergehende Geschäftsaufgabe seitens Air Berlin, die in der Buchungsbestätigung als "Leistungsträger" bezeichnet war, wurde der im Juni 2017 gebuchte Flug ersatzlos storniert. Aus diesem Grund forderte die Frau von der Ticketzwischenhändlerin die Rückzahlung der Ticketkosten in Höhe von etwa 3.900 Euro zurück. Weil die Händlerin die Zahlung verweigerte, erhob die Frau Klage vor dem Bremer Amtsgericht.

Anspruch auf Rückzahlung des Ticketpreises besteht

Das Amtsgericht gab der Klage statt und urteilte zu Gunsten der Kundin. Ein Anspruch auf Rückerstattung der Ticketkosten stehe ihr zu, weil die Tickethändlerin als Vertragspartnerin den Flug gemeinsam mit Air Berlin als "Leistungsträger" geschuldet habe. Die Ticketkosten seien zurück zu gewähren, weil die Leistung infolge der Insolvenz von Air Berlin nicht mehr erbracht werden könne.

Beklagte ist Vertragspartner der Reisenden

Die Händlerin sei laut Gericht nicht nur als Vermittlerin des Geschäfts zwischen Air Berlin und Kundin zu betrachten, sondern auch als Vertragspartnerin der Klägerin. Aus diesem Grund trage sie das Insolvenzrisiko des Luftbeförderungsunternehmens. Schließlich sei die Reisebuchung unter dem Logo der Tickethändlerin bestätigt worden. Weil die Airline zudem als "Leistungsträger" bezeichnet werde, müsse gemäß Amtsgericht davon ausgegangen werden, dass die Händlerin bestimmte und von ihr selbst geschuldete Leistungen durch Dritte erbringen lasse. Darüber hinaus erwerbe ein Zwischenhändler für gewöhnlich Waren, um diese anschließend mit Gewinn auf der Grundlage einer selbstständigen Leistungsbeziehung an Dritte weiter zu verkaufen. So sei der Fall auch hier zu bewerten.

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