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Flugverlegung von mehr als vier Stunden ist unzumutbar

Flugreisenden mit Kleinkindern ist es unzumutbar, voraussetzungslos Abweichungen von dem vertraglich vereinbarten Zeitfenster hinnehmen zu müssen. Dies gilt auch dann, wenn die Flugzeiten in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen als unverbindlich bezeichnet werden. Veranstalter von Flugreisen müssen demnach voraussichtliche Flugzeiten auch annähernd einhalten. So lautet das Urteil des Landgerichts Hannover vom 27.04.2017 (Az.: 8 S 46/16).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall buchte eine Frau für sich und ihren Lebenspartner sowie dem gemeinsamen knapp 2 Jahre alten Kind im März 2015 für den September 2015 eine Pauschalreise nach Mallorca. Wegen dem Kleinkind buchte sie einen Rückflug um 13.15 Uhr. Diese Rückflugzeit wurde seitens des Reiseveranstalters als "voraussichtlich" vermerkt. Im Juli 2015 informierte der Veranstalter die Kundin darüber, dass der Rückflug entgegen dieser Vereinbarung erst um 19.25 Uhr stattfinden werde. Darüber hinaus wurde sie von einem Linien- auf einen Charterflug umgebucht. Die Kundin beschwerte sich und bestand auf einen Rückflug um die Mittagszeit. Hierzu sah sich das Unternehmen jedoch nicht im Stande, weshalb die Frau für sich und ihre Familie eigenständig einen Rückflug um 13.15 Uhr buchte. Hierdurch entstanden Kosten von knapp 620 Euro zzgl. Taxikosten zum Flughafen in Höhe von 83,50 Euro, welche die Frau vom Reiseveranstalter erstattet wissen wollte. Der Reiseveranstalter lehnte dies ab, weshalb die Frau vor dem Amtsgericht Hannover klagte.

Reisemangel rechtfertigt Anspruch auf Kostenerstattung

Das Amtsgericht entschied am 24.05.2016 (Az.: 554 C 12854/15) zu Gunsten der Frau und gab so der Klage statt. Die anschließende Berufung des Reiseveranstalters wies das Landgericht Hannover zurück. Eine Erstattung der Kosten für den eigens gebuchten Flug sowie für die Taxifahrt zum Flughafen gemäß § 651 c Abs. 3 BGB habe die Klägerin zu Recht verlangen dürfen. Die Verschiebung der Abflugzeit in Zusammenhang mit der Umbuchung von einem Charter- auf einen Linienflug stehe für einen Reisemangel, der nicht nur eine Unannehmlichkeit darstelle. Nach Ansicht des Landgerichts können Reiseveranstalter zwar den Reisevertrag in gewissem Rahmen einseitig verändern. Schließlich wurde die Abflugzeit nicht verbindlich zugesagt und als "voraussichtlich" bezeichnet. Dies könne bei Reiseverträgen, die lange Zeit vor der Reise abgeschlossen werden, auch nicht beanstandet werden.

Flugzeitänderung wegen Kleinkind unzumutbar

Dennoch könne es den Reisenden laut Richter nicht zugemutet werden, jede beliebige Abweichung vom vertraglichen Zeitfenster hinnehmen zu müssen. Eine Verlegung von bis zu vier Stunden sei zwar regelmäßig entschädigungslos hinzunehmen. Es sei jedoch auf den Einzelfall abzustellen. Hierbei müsse berücksichtigt werden, dass die Frau den Rückflug um die Mittagszeit gebucht hatte, um den Schlafrhythmus ihres Kindes nicht wesentlich zu beeinträchtigen. Die Änderung der Abflugzeit sei unter diesen Umständen nicht mehr zumutbar gewesen.

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