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Fluggästen muss zum Umsteigen ausreichend Zeit gewährt werden

Verpassen Passagiere ihren Anschlussflug, muss die Airline darlegen und unter Umständen nachweisen, dass den Passagieren für den Umstieg eine ausreichende Zeit zur Verfügung stand. Hierzu kann die Fluggesellschaft nicht auf die sogenannte Minimum Connecting Time (MCT) abstellen. Denn die tatsächlich verfügbare Umsteigezeit werde durch die MCT nicht angegeben. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 18.10.2018 (Az.: 30 C 3465/17 (71)).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall buchte eine Frau einen Flug von Frankfurt am Main in die kasachische Hauptstadt Astana. Die Flugverbindung sah hierbei einen Umstieg in Kiew vor. Da das Luftfahrtunternehmen am Tag des Abfluges länger als erforderlich auf Fluggäste wartete, erreichte der Zubringerflug die ukrainische Hauptstadt erst mit einer Verspätung von 1 ½ Stunden. Geöffnet wurden die Türen um 16.25 Uhr, während sich die Türen des Anschlussfluges nach Astana um 17.27 Uhr schlossen. Weil die Frau ihren Anschlussflieger nicht rechtzeitig erreichte, traf sie erst am Folgetag am Zielflughafen ein. Aufgrund dieses Umstandes forderte sie die Fluggesellschaft zur Zahlung einer Entschädigung auf. Doch das Unternehmen wollte der Forderung nicht nachkommen und begründete dies damit, dass der Zeitraum von 62 Minuten ausgereicht habe, um den Anschlussflug zu erreichen. Dieses Zeitfenster habe schließlich auch der Minimum Connecting Time (MCT) entsprochen. Die Flugreisende habe ihre Umsteigezeit vielmehr vertrödelt, so die Airline. Das wollte die Frau so nicht stehen lassen, weshalb sie vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main auf die Leistung einer Ausgleichszahlung klagte.

Anspruch auf Entschädigung besteht

Das Amtsgericht gab der Klage statt und urteilte somit zu Gunsten der Frau. Sie habe ein Anspruch auf Ausgleichszahlung gemäß Art. 7 Abs. 1 der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO). Ein Vertrödeln der Umsteigezeit sei zwar als Eigenverschulden des Passagiers zu werten. Ein derartiges Verschulden konnte die Fluggesellschaft der Klägerin allerdings nicht nachweisen. Das beklagte Unternehmen habe nach Ansicht des Gerichts zudem weder darlegen noch beweisen können, dass das Zeitfenster zwischen dem Öffnen der Türen des Zubringerflugs und dem des Schließens der Türen des Anschlussflugs ausreichend für einen Umstieg gewesen sei.

Minimum Connecting Time mit effektiver Umsteigezeit nicht gleichzusetzen

Nach Auffassung der Richter sei es entgegen der Meinung des Luftfahrtunternehmens nicht ausreichend, dass das Zeitfenster der MTC entsprochen habe. Schließlich werde diese Zeit von jeder Airline selbst festgelegt. Um wettbewerbsfähig zu sein, werden diese äußerst knapp bemessen. Den Passagieren stehe in Wirklichkeit lediglich die Zeit für einen Umstieg zur Verfügung, die ihnen nach Erreichen des Flughafens/Ankunftsflugsteiges bis zum Erreichen des Anschlussflugsteiges binnen der Boardingzeit verbleibe. In aller Regel entspreche die tatsächlich verfügbare Umsteigezeit nicht der MCT. Daher könne sie im Falle des Verpassens des Anschlussfliegers nicht gegen den Passagier verwendet werden. Dem Umstand, dass andere Passagiere den Anschlussflug rechtzeitig erreichten, schenkte das Gericht keine Bedeutung. Dies sei nämlich nicht dazu geeignet, um zu beweisen und darzulegen, welches Zeitfenster der Frau zur Verfügung gestanden habe und dass die verfügbare Zeit für einen Umstieg ausreichend war. Laut Richter hätte die Fluggesellschaft darlegen müssen, welche Maßnahmen konkret ergriffen wurden, um der Frau den rechtzeitigen Umstieg zu ermöglichen.

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