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Fluggäste dürfen bei nächtlicher Umleitung eine Ausgleichszahlung verlangen

Kommt es deshalb zu einer Flugverspätung, weil es das Nachtflugverbot zu beachten gilt, so können Passagiere eine Entschädigung verlangen. Denn in einem solchen Fall kann sich die Fluggesellschaft nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand berufen. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 06.12.2019 (Az.: 32 C 5554/19 (69)).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall klagte ein Ehepaar aus Hofheim im Taunus gegen die irische Fluggesellschaft Ryanair. Ursächlich für diesen Streit war ein Flug vom 26.07.2019. Der Mann und die Frau wollten mit einer Maschine der Airline vom spanischen Girona nach Frankfurt am Main fliegen. Als Landezeitpunkt war in den Vertragsunterlagen 22 Uhr angegeben und demnach eine Stunde vor Beginn des Nachflugverbots. Allerdings zeichnete sich bereits in Spanien ab, dass die Eheleute nicht pünktlich am Rhein-Main-Flughafen eintreffen würden. Aufgrund von Unwetter geriet der Flugplan zusätzlich durcheinander. Zwar hob die Maschine noch am selben Abend ab, erreichte den Frankfurter Flughafen jedoch wegen des Nachflugverbots nicht mehr. Später ließ Ryanair über dessen Anwälte erklären, an dem besagten Abend eine Ausnahmegenehmigung vom Landeverbot beantragt zu haben, die allerdings abgelehnt wurde. Deshalb landete das Flugzeug auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück. Mit Bussen wurden die Passagiere schließlich zum 120 km weit entfernten Frankfurter Flughafen gefahren. Als sie dort antrafen, war es 3.15 Uhr. Weil das Ehepaar somit über fünf Stunden später als geplant ankam, erhob es Klage gegen Ryanair vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main.

Anspruch auf Entschädigung besteht

Vor Gericht vertraten die Anwälte der Kläger die Ansicht, dass die Umleitung faktisch einer Annullierung des Fluges gleichkäme. Nach der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO) stehe den Klägern somit ein Schadenersatz in Höhe von jeweils 250 Euro zu. Dem erwiderten die Anwälte der Airline, dass es sich lediglich um eine Verspätung gehandelt und die Busreise nur eine kleine Unannehmlichkeit dargestellt habe. Ferner betonten die Vertreter der Fluggesellschaft, dass Ryanair keinen Einfluss auf die Flugumleitung hatte. Das Amtsgericht folgte aber der Argumentation der Klägerseite und gab der Klage statt. Ein Anspruch auf Entschädigung gemäß der FluggastVO sei durchaus begründet, so die Richter. Plane eine Airline Landungen um 22 Uhr, kalkuliert sie bewusst Risiken eines gegebenenfalls eintretenden Nachtflugverbotes mit ein.

Airline kann sich auf außergewöhnlichen Umstand nicht berufen

Grund für die Verspätung sei vorliegend nicht das Unwetter, sondern das nächtliche Flugverbot gewesen. Deshalb könne nicht von einem außergewöhnlichen Umstand gesprochen werden, welcher die Gesellschaft vor Schadenersatzzahlungen bewahrt hätte. Von Natur aus sei ein Nachtflugverbot als Teil der Betriebstätigkeit eines Luftfahrtunternehmens anzusehen. Das Amtsgericht verurteilte Ryanair zur Zahlung von 250 Euro. Eine Berufung gegen diesen Beschluss wurde für unzulässig erklärt. Denn hierfür hätte sich der Streitwert auf über 600 Euro belaufen müssen.

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