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Wann sich Flugpassagiere am Flughafen einfinden müssen

Fluggäste haben sich zur Abfertigung spätestens 45 Minuten vor Abflug am Schalter einzufinden. Möchte die Fluggesellschaft diesen Zeitraum verlängern, so muss sie dies ihren Kunden schriftlich oder per E-Mail mitteilen. Lediglich ein Hinweis über die Homepage der Airline genügt nicht. Dies hat das Amtsgericht Hannover mit Beschluss vom 07.11.2014 (Az.: 541 C 4432/14) entschieden.

Sachverhalt

Konkret ging es in dem vorliegenden Fall um eine Frau, die im Mai 2013 eine Flugreise von Hannover nach Istanbul gebucht hatte. Am Flughafen fand sich die Frau zur Abfertigung 52 Minuten vor dem Abflug ein. Mit Verweis auf die eigene Homepage, verweigerte ihr die Turkish Airlines allerdings den Check-In. Nach Ansicht der Airline habe sich die Frau zu spät zum Abfertigungsschalter begeben. Aus der Homepage gehe nach Ansicht des Beförderungsunternehmens klar hervor, dass Fluggäste bei einem Auslandsflug spätestens 60 Minuten vor dem Abflug da zu sein haben. Weil die Frau den gebuchten Flug aus diesem Grund nicht antreten konnte, wandte sie sich an das Amtsgericht Hannover mit ihrer Klage auf Zahlung eines Ausgleichs in Höhe von 400 Euro.

Verweigerung der Beförderung rechtfertigt Anspruch auf Ausgleichszahlung

Das Amtsgericht gab der Klage statt und entschied somit gegen die Turkish Airlines. Ein Anspruch auf Ausgleichszahlung in Höhe von 400 Euro stehe der Klägerin nach Art. 7 Abs. 1 Satz 1 Buchstabe b der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO) zu. Schließlich wurde ihr die Beförderung gemäß Art. 4 Abs. 2 FluggastVO verweigert.

Frau traf rechtzeitig am Schalter ein

Nach Ansicht der Richter habe sich die Frau nicht zu spät zur Abfertigung eingefunden. Ein Fluggast habe sich nicht später als 45 Minuten vor der veröffentlichten Abflugzeit zur Abfertigung einzufinden, so steht es in Art. 3 Abs. 2 der FluggastVO geschrieben. Sieht die Fluggesellschaft eine hiervon abweichende Zeit vor, so müsse sie den Kunden schriftlich oder per E-Mail hierüber in Kenntnis setzen. Im vorliegenden Fall sei die Turkish Airlines dem nicht nachgekommen. Allein ein Hinweis auf der Homepage genüge den Anforderungen dieser Vorschrift nicht, so das Gericht. Denn dadurch könne nicht sichergestellt werden, dass die erforderlichen Informationen dem Fluggast auch tatsächlich zugehen. Ferner widerspreche es dem Sinn und Zweck dieser Verordnung, den Kunden darauf zu verweisen, dass er sich die Informationen selbst aktiv einholen muss. Es könne laut Gericht nicht angehen, dass sich der Kunde die Informationen über die Webseite selbst beschaffen müsse.

Bei Verspätung kann Beförderung verweigert werden

Wie es ist, wenn man zu spät am Gate erscheint, musste ein Fluggast am Flughafen Frankfurt erfahren (Az.: 3 C 509/10 (33)). Dieser traf nur 20 Minuten vor Abflug am Schalter ein und musste feststellen, dass die Ausgabe der Bordkarten bereits beendet war. Weil die Airline den Fluggast nicht mehr mitnahm, klagte dieser auf Rückzahlung des Reisepreises. Das Rüsselsheimer Amtsgericht wies die Klage jedoch ab.

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