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Falsche Zimmerkategorie rechtfertigt Reisepreisminderung

Wer in einem Hotel eine Suite mit separatem Schlafzimmer bucht, muss sich nicht mit der Unterbringung in einem Zimmer zufrieden geben, welches Schlaf- und Wohnraum kombiniert. Das gilt selbst dann, wenn in der Buchungsbestätigung ausdrücklich die Bezeichnung "Suite" ausgewiesen ist. Dies ergeht aus einem Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 19.12.2019 (Az.: 2-240 55/19).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall hatte ein Mann für sich und zwei weitere Personen, darunter eine 78 Jahre alte Frau, eine Pauschalreise über 10 Tage nach Mallorca gebucht. Für das letzten Endes gebuchte Hotel war im Reiseprospekt unter anderem von den Zimmerkategorien WU Suite, KUA Juniorsuite Superior sowie KU Juniorsuite die Rede. Laut Beschreibung sollte die WU Suite im Gegensatz zu den übrigen Kategorien nicht nur größer sein, sondern insbesondere einen separaten Schlafbereich vorsehen. Nachdem die WU Suite gebucht war, erhielt der Kunde eine Buchungsbestätigung. Aus dieser ging lediglich die Unterbringung in einer Suite hervor. Die exakte Zimmerkategorie wurde hierbei nicht erwähnt. Nachdem die Reisegruppe im Hotel angekommen war, musste sie feststellen, dass für sie keine WU Suite vorgehalten wurde. Vielmehr handelte es sich um ein Zimmer mit einem kombinierten Schlaf- und Wohnraum. Konkret wies das Zimmer zusätzlich zu einem Doppelbett ein Schlafsofa auf. Später wurde auch ein Feldbett hinzugestellt. Weil sich in der Suite lediglich ein Schrank befand, mussten sich die Reisenden diesen teilen. Da das Zimmer nicht den Vorstellungen und der gebuchten Suite entsprach, monierte der Mann diesen Missstand gegenüber dem Reiseveranstalter. Doch dieser bot dem Kunden lediglich den Umzug in ein anderes Hotel an. Dies lehnte die Reisegruppe ab. Daheim angekommen forderte der Mann Schadenersatz, wurde ihm schließlich statt der gebuchten Suite mit separaten Schlafbereich ein Zimmer mit kombiniertem Schlaf- und Wohnraum übergeben. Weil der Reiseveranstalter eine Entschädigung ablehnte, landete der Fall vor dem Landgericht Frankfurt am Main.

Zimmer entspricht nicht der gebuchten Suite

Das Landgericht gab der Klage statt und urteilte gegen den Reiseveranstalter. Der Beklagte habe eine WU Suite geschuldet. Und auch wenn das Kürzel "WU" aus der Buchungsbestätigung nicht hervorging, so sei aus objektiver Sicht davon auszugehen gewesen, dass keine Juniorsuite gebucht wurde. Schließlich wichen diese Zimmerkategorien sprachlich voneinander ab. Der Zweck der Reise, was die Erholung anbelange, sei gemäß Urteilsbegründung durch die Unterbringung in der niedrigsten statt der höchsten Kategorie wesentlich beeinträchtigt worden. Neben adäquaten Rückzugsbereichen habe es auch an komfortablen, gleichwertigen Schlafmöglichkeiten gemangelt. Daher sei eine Reisepreisminderung von 50 Prozent gerechtfertigt.

Kläger konnte Umzug in ein anderes Hotel ablehnen

Der Kläger müsse sich auch nicht entgegenhalten lassen, das Abhilfeangebot des Beklagten, welches im Umzug in ein anderes Hotel bestand, abgelehnt zu haben. Seitens des Reiseveranstalters sei nämlich nicht dargelegt worden, dass es sich um eine gleichwertige Unterbringung handle, beispielsweise hinsichtlich der Strandlage. Ferner habe sich dieses Hotel nicht ebenfalls nahe des Naturschutzgebietes befunden, sondern an einem ganz anderen Ort auf der Insel. Aufgrund nutzlos aufgewandter Urlaubszeit sprach das Gericht dem Kläger zudem eine Entschädigung von weiteren 50 Prozent des Reisepreises zu. Gerechtfertigt sei dies, weil die Reise während der gesamten Reisezeit signifikant beeinträchtigt gewesen sei.

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