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Entschädigung wegen Flugverspätung aufgrund eingestellter Betankung ist rechtens

Wird anlässlich eines Gewitters der Betankungsvorgang eines Flugzeugs eingestellt und kommt es deshalb zu einer erheblichen Flugverspätung, so steht dem Passagier ein Anspruch auf Ausgleichszahlung zu. Denn in einem solchen Fall kann sich das Luftfahrtunternehmen nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand berufen. Dies geht aus einem Urteil des Kölner Amtsgerichts vom 17.02.2016 (Az.: 114 C 208/15) hervor.

Sachverhalt

In dem zugrunde liegenden Fall verpasste ein Mann im Juli 2012 in Frankfurt am Main seinen Anschlussflug nach Singapur. Ursächlich hierfür war der verspätete Start des Zubringerflugs am Flughafen Wien. In der österreichischen Hauptstadt konnte das Flugzeug nicht planmäßig abheben, weil die Airline dessen Betankung aufgrund eines Gewitters einstellen musste. Seitens der Fluggesellschaft wurde nämlich die Gefahr einer Explosion oder Brandes gesehen. Aus den genannten Gründen musste sich der Mann auf einen Ersatzflug für den Folgetag einlassen, was wiederum dazu führte, dass er Singapur mit einer Verspätung von 21 Stunden erreichte. Der Mann vertrat die Ansicht, dass ihm nach der Fluggastrechteverordnung (Fluggastrechte-VO) eine Ausgleichszahlung zustehe. Ganz anderer Meinung war die Airline, die eine Entschädigung aufgrund der Verwirklichung eines außergewöhnlichen Umstandes für ausgeschlossen hielt. Weil sich die Parteien nicht einig wurden, klagte der Passagier vor dem Kölner Amtsgericht auf Ausgleichsentschädigung.

Ankunftsverspätung begründet Entschädigungsanspruch

Das Amtsgericht gab der Klage statt und entschied gegen die Fluggesellschaft. Eine Ausgleichszahlung nach Art. 7 der Fluggastrechte-VO stehe dem Passagier wegen der erheblichen Verspätung am Zielflughafen zu. Ohne die Verspätung des Zubringerfluges hätten dem Kläger 1 h 35 Minuten zur Verfügung gestanden, statt tatsächlich nur 53 Minuten. Die Aussage der Airline, wonach der Fluggast den Anschlussflug dennoch hätte erreichen können und somit keine Kausalität bestehe, ließen die Richter nicht gelten. Selbst wenn der Kläger mit gehöriger Anstrengung den Anschlussflug erreicht hätte, so wäre sein Verhalten allenfalls mitursächlich für den verpassten Flug geworden. In Bezug auf eine adäquate Zurechenbarkeit und Kausalität spiele es keine Rolle, ob zusätzlich andere Ursachen zur Verspätung geführt haben.

Gewitter stellt keinen außergewöhnlichen Umstand dar

Auf einen außergewöhnlichen Umstand könne sich die Airline nach Auffassung des Amtsgerichts nicht berufen. Als außergewöhnlich wird ein Umstand nur dann angesehen, wenn dieser nicht dem gewöhnlichen Verlauf der Dinge entspreche. Vielmehr liege dieser außerhalb dessen, was für gewöhnlich mit dem Ablauf der Personenbeförderung im Luftverkehr verbunden ist oder verbunden sein könnte. Dies kann vorliegend ausgeschlossen werden. Denn Gewitter sind als Vorkommnisse anzusehen, mit denen ein Luftfahrtunternehmen rechnen muss, zumal diese nicht selten bei oder im Vorfeld eines Flugs auftreten. Von einem außergewöhnlichen Wetterphänomen könne somit nicht die Rede sein. Ob ein Gewitter die Maschine am planmäßigen Start hindere, ist deshalb auch unerheblich. Daraus resultiere kein außergewöhnlicher Umstand. Unklar blieb, aus welchen Gründen die Betankung nicht möglich war. Als nicht ausreichend erachtete das Gericht hierbei den bloßen Verweis auf eine Explosions- oder Brandgefahr.

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