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Entschädigungsanspruch bei Gewitter am Zielort aufgrund Abflugverspätung

Kann ein Flugzeug aufgrund von Gewittern am Zielort nicht landen und geht dem eine Abflugverspätung von mehr als drei Stunden voraus, so haben Fluggäste einen Anspruch auf Entschädigung im Sinne der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO). Dies gilt zumindest dann, wenn die Wettersituation bei planmäßiger Landung unproblematisch gewesen wäre. Auf außergewöhnliche Umstände könne sich das Luftfahrtunternehmen demzufolge nicht berufen. So lautet das Urteil des Landgerichts Landshut vom 18.12.2018 (Az.: 14 S 2813/18).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall ging es um einen Flug von Barcelona nach München. Wegen eines Gewitters in München konnte die Maschine nicht planmäßig landen. Deshalb musste diese nach Nürnberg umgeleitet werden, weshalb es zu einer Ankunftsverspätung von mehr als drei Stunden kam. In der bayerischen Landeshauptstadt konnte die Maschine auch nur deshalb nicht landen, weil sie schon knapp zwei Stunden später als geplant in Barcelona gestartet war. Bei planmäßiger Landung wäre die Wetterlage in München noch unproblematisch gewesen. Wegen der Verspätung forderten diverse Passagiere von der Fluggesellschaft die Zahlung einer Entschädigung gemäß den Vorschriften von Art. 7 der FluggastVO. Die Airline wies die Forderungen zurück und begründete dies damit, dass sich außergewöhnliche Umstände ereignet hätten. Schließlich könne kein Einfluss auf die Wetterlage genommen werden. Die Passagiere akzeptierten die Begründung nicht und erhoben Klage.

Ankunftsverspätung rechtfertigt Anspruch auf Ausgleichszahlung

Das Amtsgericht urteilte zu Gunsten der Passagiere und gab der Klage statt. Hiergegen ging die Airline in Berufung. Doch das Landgericht Landshut bestätigte das erstinstanzliche Urteil und wies somit die Berufung der Fluggesellschaft zurück. Den Passagieren stehe ein Anspruch auf Ausgleichszahlung zu, weil die Maschine mit einer Verspätung von mehr als zwei Stunden am Zielflughafen landete. Der Anspruch auf Entschädigung ergebe sich aus der FluggastVO.

Berufung auf außergewöhnlichen Umstand nicht zulässig

Laut Landgericht sei ein Gewitter zwar als außergewöhnlicher Umstand zu werten. Denn eine Airline könne die Wetterlage nicht beherrschen. Jedoch liegt hier ein spezieller Fall vor. Erst durch den verspäteten Start in Barcelona sei die Wetterlage zum Tragen gekommen. Wäre die Maschine in der spanischen Stadt planmäßig gestartet, wäre sie in München noch vor dem Gewitter gelandet. Weil der verspätete Abflug keinem außergewöhnlichen Umstand geschuldet sei, habe sich die Airline nicht aufgrund des Gewitters auf außergewöhnliche Umstände im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der FluggastVO berufen dürfen. Ein Vorkommnis, welches unter die außergewöhnlichen Umstände falle, könne dem Risikobereich einer Airline ausnahmsweise dann zugeordnet werden, wenn der Umstand ausschließlich auf ein Vorkommnis zurückzuführen sei, für welches die Fluggesellschaft hafte.

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