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eisepreisminderung aufgrund fehlenden Koffers mit Fotoausrüstung

Will man im Urlaub die schönsten Eindrücke und Momente dauerhaft festhalten, gehört ein Fotoapparat zum festen Reiseinventar. Umso ärgerlicher ist es, wenn der Reisekoffer samt Fotoausrüstung mit tagelanger Verspätung am Urlaubsort ankommt. Das Landgericht Frankfurt am Main hat mit Urteil vom 19.06.2019 (Az.: 2-24 O 20/19) entschieden, dass die Reisenden in so einem Fall eine erhebliche Minderung des Reisepreises verlangen dürfen.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall hatte eine Frau bei einem Reiseveranstalter für sich und ihren Ehemann eine Madagaskar-Rundreise gebucht. Der Flug verlief planmäßig und die Passagiere erreichten den südostafrikanischen Inselstaat nahezu planmäßig. Doch am Gepäckband wartete die Frau vergebens auf ihren Reisekoffer. Dieser kam samt Teilen der Fotoausrüstung erst mit einer Verspätung von sechs Tagen am Zielflughafen an. Konkret enthielt der Reisekoffer unter anderem wesentliche Teile der Fotoapparatur, vor allem die Ersatzakkus sowie das Ladegerät für die Akkus. Bei der Frau saß der Frust aufgrund dieser Unannehmlichkeit tief, konnte sie schließlich knapp eine Woche lang vielfältige Eindrücke des Landes nicht bildhaft festhalten. Aus diesem Grund erhob sie vor dem Landgericht Frankfurt am Main Klage gegen ihren Reiseveranstalter.

Anspruch auf Reisepreisminderung besteht

Das Landgericht gab der Klage statt und entschied somit zu Gunsten der Reisenden. Konkret verurteilten die Richter den Reiseanbieter zu einer Minderung des Reisepreises in Höhe von 25 Prozent für jeden Tag ohne Koffer. Ein noch höherer Minderungsanspruch sei aus Sicht des Gerichts nicht deshalb gerechtfertigt, weil die Urlauberin sowie ihr mitreisender Ehepartner im Laufe des ersten Teils der Rundreise die Eindrücke von Sehenswürdigkeiten, Natur und Land lediglich in ihren Erinnerungen und nicht in Bildern festhalten konnten. Umgekehrt müsse der zugesprochene Minderungsbetrag nicht deswegen reduziert werden, weil die Frau die Fotoapparatur unberechtigterweise in den Reisekoffer gelegt habe. Weil das Recht der Kläger auf Reisepreisminderung ungeachtet eines Verschuldens des Reiseanbieters bestehe, komme auch ein Mitverschulden der Frau nicht in Betracht.

Landgericht zieht zur Begründung weitere Urteile heran

Laut Gericht werde in der Regel bei nicht zur Verfügung stehendem Reisegepäck eine Minderung zwischen 20 und 30 Prozent beziehungsweise in Höhe von 25 Prozent je betroffenem Urlaubstag für angemessen erachtet. Zur Begründung verwiesen die Richter auf die bisherige Rechtsprechung. Konkret zitierten sie die Urteile des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main (Az.: 11 U 59/83 und 19 U 229/91), des Landgerichts Frankfurt am Main (Az.: 2-24 S 44/06), des Landgerichts Koblenz (Az.: 2 S 28/15), des Amtsgerichts Rostock (Az.: 47 C 103/16) sowie des Oberlandesgerichts Celle (Az.: 11 U 138/94).

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