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Einzel- statt Gruppenunterricht rechfertigt Reisemangel

Kommt ein Kurs aufgrund des Mangels an Teilnehmern nicht zustande, so muss der Veranstalter einer Sprachreise seinen Kunden einen gleichwertigen Unterricht anbieten. Als Ersatz für einen Sprachkurs in einer kleinen Gruppe kann Einzelunterricht nicht angesehen werden. Dies hat das Amtsgericht München mit Urteil vom 26.04.2016 (Az.: 283 C 20981/15) entschieden. Ein Anspruch auf Schadenersatz aufgrund nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit besteht allerdings nicht.

Sachverhalt

In dem hier verhandelten Fall hatte ein Mann aus Köln bei einem Reiseveranstalter eine fünfwöchige Sprachreise nach Fort Lauderdale in den USA gebucht. Für Unterbringung und Sprachkurs bezahlte er knapp 2.500 Euro. Darin umfasst war unter anderem ein vierwöchiger Kurs mit jeweils wöchentlich 20 Lektionen. Weil sich allerdings nur wenige Teilnehmer zu dem Sprachkurs angemeldet hatten, fand die Minigruppe lediglich in einer Woche zueinander. Für die übrige Zeit wurde dem Mann Einzelunterricht vorgeschlagen. Dieser hätte im Gegensatz zum Gruppenunterricht nachmittags stattgefunden und wäre überdies teurer gewesen. Der Mann lehnte das Angebot ab und entschied sich stattdessen für einen anderen Englischkurs, der im Durchschnitt von 10 Personen besucht wurde und insgesamt 24 Lektionen je Woche vorsah. Daheim angekommen forderte er den Reiseveranstalter zur Zahlung von Schadenersatz auf. Seiner Ansicht nach hätte dieser darauf hinweisen müssen, dass der Kurs nicht zustande kommt. Mit einem Gruppenunterricht sei der Einzelunterricht ferner nicht vergleichbar gewesen, zumal er sich isoliert gefühlt hätte. Als Schadenersatz machte er 1.400 Euro geltend. Weil der Reiseveranstalter die Zahlung ablehnte, klagte der Mann vor dem Amtsgericht München.

Reisender musste nicht mit Leistungsänderung rechnen

Das Amtsgericht verurteilte den Reiseveranstalter lediglich zur Zahlung von 370 Euro. Um diesen Betrag ist der Reisepreis zu mindern, weil der Kläger auf einen allgemeinen Englischkurs ausweichen musste. Die Richter hielten die zwanzigprozentige Minderung für angemessen. Dem Reiseveranstalter hielt das Gericht zu Gute, dass die sozialen Kontakte nicht Gegenstand der vertraglichen Leistung waren. Ferner war zu diesem Zweck auch die Wahl des allgemeinen Englischkurses möglich. Weil jedoch der Einzelunterricht mit dem Unterricht in einer Kleingruppe nicht gleichwertig sei, stehe dem Mann ein Anspruch auf Schadenersatz zu. Die Regelung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die gerade dies zuließ, sei überraschend gewesen und somit nicht Vertragsbestandteil geworden. Der Mann hätte damit nicht rechnen müssen.

Anspruch auf Schadenersatz aufgrund vertaner Urlaubsfreude besteht nicht

Einen Schadenersatzanspruch aufgrund vertaner Urlaubsfreude sprachen die Richter dem Kläger jedoch nicht zu. Der Urlaub sei gerade unter Beachtung des Urlaubszwecks nicht ganz oder teilweise vertan gewesen. Erst wenn eine Minderungsquote von 50 Prozent in Betracht kommt, könne eine signifikante Beeinträchtigung angenommen werden. Vorliegend sei dies jedoch zu verneinen.

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