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Check-In-Schalter muss bei verspätetem Eintreffen des Fluggastes nicht erneut geöffnet werden

Trifft ein Reisender erst nach Schließung des Check-In-Schalters zur Abfertigung ein, so ist das Luftfahrtunternehmen nicht dazu gehalten, den Schalter erneut zu öffnen. Dies gilt selbst dann, wenn sich der Abflug verspätet, der Flug noch auf der Anzeigentafel ausgewiesen ist oder ein Ausruf durch den Flughafenbetreiber veranlasst wurde. So lautet das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 26.11.2015 (Az.: 2-24 O 95/15).

Sachverhalt

In dem hier verhandelten Fall kam es zum Streit zwischen einer Fluggesellschaft und einer Reisegruppe. Ursächlich hierfür war die Tatsache, dass die Gruppe den entsprechenden Check-In-Schalter des Flughafens in Beirut im Juni 2014 zur Abfertigung erst erreichte, nachdem dieser seit ungefähr 1 Stunde durch die Fluggesellschaft geschlossen wurde. Verspätet hatte sich die Reisegruppe deshalb, weil es angesichts eines Selbstmordanschlags zu Straßensperrungen gekommen war. Dennoch bestand die Möglichkeit, für den Rückflug nach Stuttgart einzuchecken, da sich der Abflug um 25 Minuten verspätete. Der Check-In war aber nicht möglich, zumal keine Mitarbeiter der Airline aufzufinden waren. Aus diesem Grund musste die Gruppe neue Rückflüge buchen, wodurch Kosten von nahezu 8.500 Euro entstanden. Der Reiseleiter forderte die Airline dazu auf, die entstanden Kosten zu ersetzen. Dazu sei sie seiner Ansicht nach verpflichtet, da sie den Schalter nicht erneut öffnen wollte. Schließlich sei der Flug auf der Anzeigentafel noch ausgeschrieben gewesen und die Reisegruppe beim Betreten des Flughafens noch ausgerufen worden. Weil die Airline die Kosten nicht erstatten wollte, erhob der Reiseleiter Klage vor dem Landgericht Frankfurt am Main.

Anspruch auf Schadenersatz besteht nicht

Das Landgericht wies die Klage zurück und entschied so zu Gunsten der Fluggesellschaft. Ein Anspruch auf Schadenersatz habe der Reisegruppe nicht zugestanden, weil der Airline keine Pflichtverletzung vorgeworfen werden könne. Diese sei weder verpflichtet gewesen, den Check-In-Schalter erneut zu öffnen noch eine anderweitige Check-In Möglichkeit zur Verfügung zu stellen. Nach Auffassung der Richter spiele es keine Rolle, dass die Airline von der Verspätung der Reisegruppe Kenntnis hatte. Denn Pflichten für die Airline hätten sich infolgedessen nicht ergeben. Dessen Verpflichtung bestehe vielmehr darin, für die ordnungsgemäße Abwicklung der fristgerecht eingetroffenen Fluggäste zu sorgen.

Ausruf, Verspätung und Ausweisung des Flugs unerheblich

Inwiefern die Reisegruppe auf Veranlassung der Airline tatsächlich ausgerufen worden sei, hielten die Richter für unerheblich. Denn mit Blick auf die Flughafenorganisation sei es durchaus üblich, dass ein Ausruf selbst dann noch erfolgt, wenn der Grund für den Ausruf bereits nicht mehr besteht. Mit dem Wegfall des Grundes gehe nicht die Verpflichtung der Fluggesellschaft einher, den gestarteten oder veranlassten Ausruf umgehend zu unterbinden. Den Check-In-Schalter müsse die Airline demnach nicht deshalb öffnen, nur weil noch ein verspäteter Ausruf erfolgt. Auch bestehe für die Airline nicht die Pflicht, den Check-In-Schalter solange geöffnet zu halten, wie der betreffende Flug noch in der Anzeigentafel erscheint. Eine solche Pflicht ergebe sich für die Fluggesellschaft auch nicht infolge der Abflugverspätung, so das Gericht. Dem steht nämlich die Organisation des Betriebsablaufs des Flughafens und der Airline entgegen.

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