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Bei Bahnfahrt zum Flughafen sind Verspätungen einzuplanen

Wer mit dem Zug zum Flughafen fährt muss damit rechnen, dass die Bahn nicht pünktlich eintrifft. Ein Anspruch auf eine Minderung des Reisepreises wegen des Fehlens eines ordnungsgemäßen Abhilfeverlangens besteht nicht. Darüber hinaus ist der Reisende verpflichtet, die Verspätung seinem Reiseveranstalter selber mitzuteilen. So lautet das Urteil des Münchener Amtsgerichts vom 28.05.2019 (Az.: 114 C 23274/18).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall hatte ein Vater gemeinsam mit seinem Sohn am 20.05.2018 über ein Reisebüro im TV für die Zeit vom 6. Juli bis 13. Juli 2018 eine Pauschalreise von Düsseldorf nach Dubai gebucht. Der Preis für die Reise belief sich auf insgesamt 1.768 Euro. Die Reiseleistungen umfassten auch ein "Rail & Fly" Ticket der Deutschen Bahn AG für eine Zugfahrt zum bzw. vom Düsseldorfer Flughafen jeweils am Hin- und Rückflugtag. Erfolgen sollte der Abflug vom Flughafen Düsseldorf um 21.15 Uhr des 6. Juli. Als Ankunft in Dubai ging aus den Reiseunterlagen der 7. Juli um 05.40 Uhr hervor. Doch Vater und Sohn verpassten ihren Flug, obwohl sie nach eigener Aussage pünktlich am jeweiligen Bahngleis eintrafen. Doch statt um 18.58 Uhr, erreichten sie den Düsseldorfer Flughafen erst um 20.40 Uhr. Zu dieser Uhrzeit waren die Schalter der Fluggesellschaft jedoch bereits geschlossen. Nachdem die Männer in einem Hotel nahe dem Flughafen zum Preis von 139 Euro übernachtet hatten, organisierten sie sich über ihren Reiseveranstalter einen Ersatzflug, für den insgesamt weitere 1.683 Euro fällig wurden. Dieses Geld wollten die beiden Reisenden von ihrem Reisebüro erstattet wissen. Weil sich dieses jedoch weigerte, landete die Angelegenheit vor dem Münchener Amtsgericht.

Kläger missachten Allgemeine Geschäftsbedingungen

Das Amtsgericht wies die Klage der beiden Reisenden ab und entschied somit zu Gunsten des Reiseveranstalters. Zur Begründung verwiesen die Richter auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen des Beklagten, in denen es unter anderem hieß:

"Im Rahmen von Flugreisen haben sich Reisende mindestens zwei Stunden vor dem planmäßigen Abflug am Flughafen einzufinden. Soweit die Anreise des Reisenden zum Flughafen per Zug erfolgt (z.B. Rail and Fly), ist dieser gehalten möglicherweise auftretende Verzögerungen bei der Zugbeförderung angemessen bei der Auswahl der Zugverbindung zu berücksichtigen."

Abhilfeverlangen beim Reiseveranstalter fehlt

Darüber hinaus erklärte das Gericht, dass die Beklagten zunächst ein Abhilfeverlangen beim Reiseveranstalter hätten geltend machen müssen. Diesem gegenüber sei der Mangel anzuzeigen und eine Frist zur Abhilfe einzuräumen. Stattdessen hätten Vater und Sohn Kontakt mit dem Reisebüro aufgenommen und über diesen sogleich einen Ersatzflug gebucht. Damit sei womöglich die Chance vertan worden, seitens des Reiseveranstalters einen Ersatzflug gestellt zu bekommen. Da dieser jedoch nicht dahingehend gefragt wurde, habe er den Ersatzflug auch nicht verweigert. Weil das Landgericht München I eine ähnliche Einschätzung abgab, ist der Beschluss des Amtsgerichts inzwischen rechtskräftig.

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