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Baulärm und Ungeziefer begründen Reisepreisminderung

Mangelnde Hygiene, Käfer, Baulärm, spärliches Buffet - In einem Hotel ist die Liste möglicher Mängel lang. Muss ein Urlauber aus solchen Gründen das Hotel wechseln, muss der Reiseveranstalter die Kosten für diesen Umzug übernehmen. Darüber hinaus darf der Reisende auch eine Reisepreisminderung verlangen. So lautet das Urteil des Münchener Amtsgerichts vom 06.04.2016 (Az.: 274 C 18111/15).

Sachverhalt

Eigentlich wollte sie nur einige schöne Tage mit einer Freundin im ägyptischen Urlaubsort Hurghada verbringen. Hierzu hatte sie eine Pauschalreise für die Zeit vom 24.07.2014 bis 07.08.2014 zum Preis von 1.600 Euro gebucht. Vor Ort ließ allerdings die Begeisterung der Frau Tag für Tag nach. Bereits am ersten Urlaubstag mussten die Urlauberinnen einen erheblichen Baulärm hinnehmen. Zu dieser Lärmbelästigung durch bspw. Hammerschlägen und Kettensägen in der Zeit von 8 Uhr bis 15/16 Uhr kam es deshalb, weil der Spa-Bereich sowie einige Hotelzimmer noch nicht fertiggestellt waren. Ferner wurde das Hotel in der Nacht von Ohrenkäfern heimgesucht. Die Käfer waren dabei trotz Einsatz von Insektiziden nicht zu vertreiben. Für zusätzlichen Unmut sorgte die Tatsache, dass das Buffet nur unzureichend nachgefüllt wurde. Unter anderem lag dies daran, dass sich russische Gäste ihren Teller zu Beginn des Buffets übermäßig füllten. Angesichts dieser Missstände beschwerten sich die Frauen beim Reiseveranstalter, der ihnen nur die Unterbringung in einem hochwertigeren Hotel anbot. Am 30.07. nahmen sie dieses Angebot an, was allerdings Mehrkosten von 550 Euro zur Folge hatte. Zuhause angekommen machten sie vor dem Amtsgericht München einen Ersatzanspruch wegen der Mehrkosten sowie eine Reisepreisminderung geltend.

Tatbestände rechtfertigen die Minderung des Reisepreises

Das Gericht gab der Klage statt und entschied gegen den Reiseveranstalter. Nach § 651 d BGB stehe den Klägerinnen ein Anspruch auf Reisepreisminderung von 30 Prozent zu, weil die Reise im Sinne von § 651 c BGB mangelhaft gewesen sei. Allein der Baulärm habe einen gravierenden Reisemangel dargestellt. Dies gelte aber auch für die Käfer, die nachts in erheblicher Zahl in das Zimmer krabbelten. Das unzureichende Buffet sei ebenfalls als Reisemangel einzustufen. Es müsse zwar als allgemeines Lebensrisiko hingenommen werden, wenn andere Hotelgäste sich vorher am Buffet bedienen und sich die Essensauswahl dadurch einschränke. In diesem Fall sei die Auswahl jedoch von vornherein besonders eingeschränkt gewesen. Die Hotelmitarbeiter hätten entweder gegen das Fehlverhalten der russischen Gäste eingreifen oder mehr Essen zur Verfügung stellen müssen.

Reiseleitung muss Mehrkosten erstatten

Laut Amtsgericht dürfen die Urlauberinnen auch die Erstattung der Mehrkosten verlangen, die aufgrund des Umzugs zum anderen Hotel angefallen sind. Denn der Reiseveranstalter sei seiner Pflicht zur Abhilfe der Reisemängel nicht nachgekommen. Wegen der signifikanten Reisemängel hätte den Frauen eine kostenlose Abhilfe zugestanden. Indem die Reiseleitung jedoch lediglich ein alternatives Hotel gegen Aufpreis anbot, habe er diese kostenfreie Abhilfe pflichtwidrig abgelehnt. Und dies, obwohl Hotels desselben Reiseveranstalters und derselben Kategorie über freie Zimmer verfügten. Ferner könne es nicht angehen, dass die Urlauberinnen die Kosten für das Taxi zu tragen hätten.

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