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Ausgleichszahlung bei Flugverspätung aufgrund von Fremdkörpern im Reifen

Resultiert eine Flugverspätung daher, dass der Reifen eines Flugzeuges aufgrund von Nägeln ausgetauscht werden muss, so können die betroffenen Passagiere eine Ausgleichszahlung nach der Fluggastrechteverordnung verlangen. Denn metallene Fremdkörper auf der Stellfläche oder Lande- beziehungsweise Startbahn sind nicht als außergewöhnlicher Umstand anzusehen. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Hannover vom 07.02.2018 (Az.: 462 C 3790/17).

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall kam es zum Streit zwischen einem Fluggast und einer Airline, nachdem das Flugzeug am Reiseziel mit einer Verspätung von über 18 Stunden eintraf. Dieses Missgeschick ereignete sich im Februar 2016, als die Rückbeförderung des Reisegastes und dessen Lebensgefährtin nach Hannover vorgesehen war. Hintergrund für die Verschiebung des Starts am Flughafen von Teneriffa war, dass im Rahmen der Vorflugkontrolle Nägel an einem der Reifen der Maschine entdeckt wurden. Aufgrund dessen wurde der Austausch des Reifens angeordnet. Dies nahm allerdings außergewöhnlich viel Zeit in Anspruch, insbesondere deshalb, weil vor Ort kein Ersatzreifen vorrätig war und ein entsprechender Reifen erst aus Deutschland eingeflogen werden musste. Das Luftfahrtunternehmen gab an, dass die metallenen Fremdkörper nach der Kontrolle des Vorfluges, etwa beim Start oder Landung, in den Reifen gelangt sein mussten. Für den Reisenden spielte dies keine Rolle, weshalb er die Fluggesellschaft zur Zahlung einer Ausgleichsleistung aufforderte. Dies lehnte die Airline jedoch mit der Begründung ab, es habe sich ein außergewöhnlicher Umstand ereignet, der eine Entschädigungszahlung nach der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO) entbehrlich mache. Mangels Einigung erhob der Passagier Klage vor dem Amtsgericht Hannover.

Ankunftsverspätung führt zum Anspruch auf Ausgleichszahlung

Das Amtsgericht gab der Klage statt und entschied somit gegen die Fluggesellschaft. Dem Fluggast stehe ein Anspruch auf Ausgleichszahlung entsprechend dem Artikel 7 der FluggastVO zu, weil sein Flug eine Verspätung von über drei Stunden kumuliert hatte.

Metallene Fremdkörper stellen keinen außergewöhnlichen Umstand dar

Die Begründung der Airline, wonach sich ein außergewöhnlicher Umstand ereignet habe, der das Unternehmen von einer Ausgleichsentschädigung befreie, ließen die Richter nicht gelten. Vielmehr könne sich das Luftfahrtunternehmen nach Auffassung des Gerichts nicht auf einen außergewöhnlichen Umstand gemäß des Artikels 5 Abs. 2 FluggastVO berufen. Airlines seien auf die Nutzung der Standflächen zu Kontroll- und Wartungsarbeiten sowie zum Be- und Entladen angewiesen. Dies gelte auch für die Nutzung der Lande- und Startbahnen. Daher sei ein Luftfahrtunternehmen laufend mit Situationen konfrontiert, die sich aus dem Zustand dieser Flächen ergeben. Aus diesem Grund stelle die Tatsache, dass die Nägel auf der Lande- und Startbahn oder im Bereich der Stellfläche in den Reifen gelangt sein können, keinen außergewöhnlichen Umstand im Sinne der FluggastVO dar.

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