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Ausgleichszahlung bei Erkrankung eines Crewmitglieds und Reduzierung der Passagierzahl

Führt die Erkrankung eines Flugbegleiters sowie die aus Sicherheitsgründen damit einhergehende Reduzierung der Fluggäste dazu, dass ein Passagier nicht befördert wird, so muss die Airline gemäß der Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung leisten. Auf einen außergewöhnlichen Umstand, der einen Anspruch des Fluggastes ausschließen würde, kann sich die Fluggesellschaft nicht berufen. So lautet das Urteil des Düsseldorfer Amtsgerichts vom 14.08.2015 (Az.: 37 C 15236/14).

Sachverhalt

In dem zugrunde liegenden Fall wollte ein Ehepaar am Ende der Urlaubsreise ihren Rückflug vom ägyptischen Hurghada nach Düsseldorf antreten. Am Morgen dieses Tages im Juli 2014 bekam allerdings der Busfahrer, der für die Beförderung der Fluggäste zum Flughafen verantwortlich war, mitgeteilt, dass der Flug für das Ehepaar nicht stattfinden könne. Ursächlich hierfür war die Erkrankung eines Flugbegleiters. Aus diesem Grund sah sich die Airline aufgrund von Sicherheitsvorschriften dazu gezwungen, die Anzahl der Passagiere zu verringern. Hiervon waren unter anderem auch die Eheleute betroffen. Schließlich brachte ein Ersatzflug das Ehepaar in der Nacht nach Düsseldorf zurück, wo es erst am frühen Morgen des darauffolgenden Tages ankam. Diese Verspätung wollten die Eheleute nicht hinnehmen, weshalb sie die Airline zur Zahlung einer Entschädigung aufforderten. Das Luftfahrtunternehmen lehnte dies allerdings ab, weil sich dessen Ansicht nach ein außergewöhnlicher Umstand konkretisiert hätte, welcher eine Ausgleichszahlung ausschließen würde. Das Ehepaar wollte dies nicht akzeptieren und erhob Klage vor dem Amtsgericht Düsseldorf.

Nichtbeförderung berechtigt zur Ausgleichszahlung

Das Amtsgericht gab der Klage statt und entschied gegen das Luftfahrtunternehmen. Nach Ansicht der Richter stehe dem Ehepaar ein Anspruch auf Ausgleichszahlung nach Artikel 7 der Fluggastrechteverordnung (FluggastrechteVO) zu. Vorgelegen habe laut Gericht eine Nichtbeförderung gemäß Artikel 4 der FluggastrechteVO. Gegen diese Einschätzung spreche auch nicht, dass die Ehefrau nicht rechtzeitig zur Abfertigung am Flughafen eingetroffen sei. Denn in einer derartigen Situation ist das Erscheinen des Passagiers am Flugsteig nicht notwendig. Schließlich würde dies unter Betrachtung der Umstände eine sinnlose und mit Aufwand verbundene Handlung des Passagiers darstellen. Damit folgten die Richter einer Entscheidung des Bundesgerichtshof vom 17.03.2015 (Az.: X ZR 34/14).

Berufen auf außergewöhnlichen Umstand nicht möglich

Die Nichtbeförderung des Ehepaars im Zuge der Reduzierung der Fluggastzahl wegen Erkrankung des Flugbegleiters, könne nicht durch die FluggastrechteVO gerechtfertigt werden. Der Airline sei das Berufen auf Sicherheitsgründen verwehrt gewesen. Denn das Sicherheitsrisiko muss im Zusammenhang mit dem abgewiesenen Passagier stehen. Vorliegend sei dies nicht der Fall gewesen. Die Gründe hätten vielmehr außerhalb des Passagiers vorgelegen. Genügen tue dies aber nicht. Auf einen außergewöhnlichen Umstand nach Artikel 5 Absatz 3 FluggastrechteVO könne sich die Airline ferner nicht berufen. Einerseits stelle die Erkrankung eines Mitglieds der Crew und die damit verbundene Verringerung der Passagierzahl ohnehin keinen außergewöhnlichen Umstand dar. Und zum anderen habe sich hier eine Situation erreignet, auf die sich jeder Arbeitgeber einstellen müsse. Demnach liege der Ausfall von Personal allein in der Sphäre der Airline.

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