­

Kein Ausgleichsanspruch bei Flugverspätung wegen Streit zwischen Besatzung und Passagier

Muss ein Flugzeug aufgrund einer nicht vorhersehbaren Eskalation zwischen einem Besatzungsmitglied und einer Katzenhalterin zwischenlanden, so steht dem Fluggast im Falle einer Flugverspätung kein Ausgleichsanspruch zu. Denn die Fluggesellschaft dürfe sich in einem solchen Fall erfolgreich auf einen außergewöhnlichen Umstand stützen. So lautet das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 08.06.2016 (Az.: 31 C 397/16).

Sachverhalt

In dem hier verhandelten Fall kam es auf einem Flug von Las Vegas nach Frankfurt am Main im August 2015 zum Streit zwischen der Crew und einer Flugpassagierin. Zu einer Eskalation kam es deshalb, weil die Frau eine Katze unangemeldet mit in das Flugzeug nahm. Weil der Vierbeiner nicht in der Tasche der Frau bleiben wollte, einigten sich Katzenbesitzerin und Flugpersonal darauf, das Tier in den Waschraum einzusperren. Dort sollte die Katze von der Crew versorgt werden. Nachdem das Flugzeug gestartet war, erklärte sich die Frau mit der Unterbringung ihres Tieres im Waschraum nicht mehr einverstanden. Nachfolgend kam es zwischen ihr und der Crew zu einer erheblichen Auseinandersetzung. Diese ging so weit, dass die Katzenbesitzerin drohte, die Maschine zum Absturz zu bringen. Darüber hinaus trat sie wiederholt gegen die Waschraumtür. Ferner gab sie an, terroristische Absichten zu verfolgen und Beziehungen zur Mafia zu pflegen. Um die Passagieren von Bord bringen zu lassen, entschied sich der Pilot zu einer Zwischenlandung. Doch dieser Umstand führte dazu, dass die Maschine mit einer Verspätung von 24 Stunden in Frankfurt am Main eintraf. Ein Passagier wollte das nicht hinnehmen und forderte eine Ausgleichszahlung. Diese wollte die Airline nicht gewähren, da sich ihrer Ansicht nach ein außergewöhnlicher Umstand konkretisiert hätte. Daraufhin erhob der Fluggast Klage vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main.

Anspruch auf Ausgleichszahlung besteht nicht

Das Amtsgericht lehnte die Klage ab und entschied zu Gunsten der Fluggesellschaft. Ein Ausgleichsanspruch nach Art. 7 der Fluggastrechte-Verordnung (FluggastVO) habe dem Kläger nicht zugestanden. Denn die Airline dürfe sich mit Erfolg auf einen außergewöhnlichen Umstand im Sinne von Art. 5 Abs. 3 der FluggastVO berufen. Auch wenn der Fluggesellschaft laut Amtsgericht gegebenenfalls vorgeworfen werden könne, das Haustier im Handgepäck an Bord gelassen zu haben, so sei die Eskalation zwischen Crew und Passagierin getrennt hiervon zu beurteilen. Nach Ansicht der Richter stelle es durchaus einen außergewöhnlichen Umstand dar, wenn ein Fluggast den Anweisungen der Besatzung nicht Folge leiste, grundsätzlich ernstzunehmende Drohungen ausspreche, gewalttätig werde und einen Aufstand mache. Im Flugverkehr gehe die Sicherheit vor, weshalb es nicht zu beanstanden sei, dass sich der Pilot zu Gunsten einer Zwischenlandung entschied.

Luftfahrtunternehmen darf auf Kooperation vertrauen

Nach Auffassung des Amtsgerichts durfte die Airline auf die Kooperation der Katzenbesitzerin vertrauen, zumal sich diese anfangs einsichtig sowie unauffällig zeigte. Die nachfolgende Eskalation sei nicht vorherzusehen gewesen und überraschend eingetreten. Zudem habe der Streit nicht dem gewöhnlichen Verlauf der Dinge entsprochen.

­