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Airline muss Kunden bei Änderung der Abflugzeit frühzeitig unterrichten

Ändert eine Fluggesellschaft die planmäßige Abflugzeit, so muss sie die Reisenden entsprechend der Fluggastrechteverordnung mindestens zwei Wochen vorher hierüber unterrichten. Dabei genügt es nicht, die Informationen über die Flugzeitenänderungen allein auf der eigenen Homepage aufzuführen. Dies hat das Nürnberger Amtsgericht mit Urteil vom 23.01.2019 (Az.: 19 C 7200/18) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall wollte ein Reisender gemeinsam mit seiner Ehegattin und den zwei minderjährigen Kindern von Nürnberg auf die Insel Rhodos fliegen. Gebucht hatte er den Flug, der für den 03.08.2018 um 05:00 Uhr geplant war, über einen Reiseveranstalter. Am 25.05.2018 beschloss die Fluggesellschaft, den Flug auf den 03.08.2018 um 18:05 Uhr zu verlegen. Über die geänderte Flugzeit informierte die Airline den Kunden und dessen Familienangehörige mit einer E-Mail vom 21.07.2018. Am 19.07.2018 hatte der Reisende versucht, Sitzplätze über die Webseite der Airline zu reservieren. Auf der Webseite waren die veränderten Flugzeiten schon eingetragen. Aus diesem Grund war die Airline der Ansicht, dass dem Mann und seiner Familie kein Ausgleichsanspruch zustehe. Umso mehr, weil die Reisenden auf der Homepage zwei Wochen vor dem geplanten Abflug informiert worden seien, wie vom Gesetzgeber verlangt. Der Mann hatte zuvor eine Entschädigungszahlung vom Reiseveranstalter gefordert, da er sich hinsichtlich der Flugzeitenänderung nicht angemessen informiert fühlte. Weil die Fluggesellschaft auf ihrer Meinung beharrte, erhob der Kunde Klage vor dem Nürnberger Amtsgericht.

Fluggesellschaft hat über Annullierung der planmäßigen Abflugzeit nicht rechtzeitig informiert

Das Amtsgericht gab der Klage statt und verurteilte das Luftfahrtunternehmen zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von insgesamt 1.600 Euro und demnach 400 Euro je Person. Hierzu verwiesen die Richter auf die Regelungen der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO). Nach Auffassung des Gerichts sei der Kunde über die geänderten Abflugzeiten nicht rechtzeitig unterrichtet worden. Die Fluggesellschaft hätte den Kunden spätestens am 20.07.2018 um 05:00 Uhr entsprechend in Kenntnis setzen müssen. Stattdessen sei er erst am 21.07.2018 über die Annullierung der planmäßigen Abflugzeiten informiert worden. Die Tatsache, dass der Reiseveranstalter schon zuvor darüber Bescheid wusste, sei nicht relevant, weil dieser als Reisevermittler nicht der Empfangsvertreter eines Passagiers sei.

Informationen auf der Homepage reichen nicht aus

Es sei zwar richtig, dass die Airline über ihre Homepage schon früher auf die Flugzeitenänderung hingewiesen habe. Dies hatte der Kläger bestätigt, zumal ihm dies bei der Sitzplatzreservierung aufgefallen war. Doch die auf der Webseite der Fluglinie dargestellten Informationen über die geänderten Abflugzeiten genügen nach Auffassung der Richter nicht. Der Anspruch eines Reisenden auf Ausgleichszahlung im Sinne der FluggastVO entfalle im Ausnahmefall lediglich dann, wenn seitens des Luftfahrtunternehmens eine ziel- und zweckgerichtete Unterrichtung erfolge. Es genüge aber nicht, die Informationen auf die Webseite zu stellen und darauf zu hoffen, dass der Kunde sie mehr oder weniger zufällig zur Kenntnis nehme. Informieren beziehungsweise unterrichten bedeute im Sinne der FluggastVO, dass Informationen zweckgerichtet und bewusst an den konkreten Adressaten übermittelt werden müssen.

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