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Airline muss Entschädigung in Landeswährung leisten

Steht Passagieren aufgrund eines verspäteten oder stornierten Fluges eine Entschädigung nach der Fluggastrechteverordnung (FluggastVO) zu, so dürfen sie deren Auszahlung in Landeswährung fordern. Maßgeblich ist dabei der Wohnort des Fluggastes. Gemäß Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 03.09.2020 (Az.: C-356/19) wäre es andernfalls mit einer Gleichbehandlung geschädigter Passagiere nicht vereinbar, eine Zahlung in der Landeswährung zu verweigern.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall buchte eine Frau über den in Polen ansässigen Reiseveranstalter Travel Service einen Flug nach Polen. Sie traf am 23.07.2017 mit der bestätigten Reservierung pünktlich am Check-In ein. Doch der Flug verspätete sich um mehr als drei Stunden. Aufgrund dessen forderte die Frau den Reiseveranstalter zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 400 Euro gemäß Fluggastrechteverordnung (FluggastVO) auf. Unterstützungs- und Ausgleichs- oder Gegenleistungen habe sie im Abflugstaat schließlich nicht erhalten. Die Frau forderte die Zahlung der Entschädigung in der Landeswährung, sprich in polnische Zloty. Travel Service beharrte hingegen auf eine Zahlung in Euro. Um schneller an ihr Geld zu kommen und lange Gerichtsprozesse zu vermeiden, trat die Frau ihren Anspruch gegenüber dem Reiseunternehmen an Delfly ab, ein Unternehmen mit Sitz im polnischen Warschau. Beim örtlichen Gericht erhob Delfly Klage gegen die Travel Service auf Zahlung von knapp 1.700 Zloty. Dies entsprach zum Zeitpunkt der Antragstellung auf Ausgleichszahlung dem festgesetzten Wechselkurs von 400 Euro.

Vorschriften zu Fluggastrechten sind weit auszulegen

Nachdem Travel Service beantragte, den Antrag auf Entschädigung aufgrund des Ausweises der falschen Währung abzuweisen, wandte sich das nationale Gericht an den Gerichtshof der Europäischen Union. Hierbei ging es um die Frage, ob ein Passagier die Auszahlung der Ausgleichszahlung in der an seinem Wohnort geltenden Landeswährung verlangen dürfe. Das höchste europäische Zivilgericht erklärte zunächst, dass das Hauptziel der FluggastVO darin bestehe, ein hohes Schutzniveau der Passagiere sicherzustellen. Eine ausschließliche Entschädigung in Euro würde die Ausübung des Rechts auf Ausgleichszahlung beschränken, so die Richter. Die Verordnung sei anwendbar, ohne auf die Staatsangehörigkeit des Fluggastes abstellen zu müssen. Wird die Zahlung der Entschädigung in einer Währung, die in einem außerhalb der Eurozone geltenden Land gilt, ausgeschlossen, würde dies zu einer Ungleichbehandlung führen.

Verordnung gibt keine Zahlung in Euro vor

Vorliegend müsse die geschuldete Entschädigung ohnehin in der am Wohnort geltenden nationalen Währung aus dem Euro umgerechnet werden. Insgesamt kam der EuGH zu dem Ergebnis, dass die FluggastVO weit auszulegen sei. Es könne nicht angehen, dass ein Antrag auf Ausgleichszahlung nur deshalb zurückgewiesen werde, weil dieser in der Landeswährung beziffert werde.

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