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Von Dachpfannen ausgehende Blendwirkung ist hinzunehmen

Immer wieder kommt es vor, dass sich Menschen in ihren Wohnungen von der Blendwirkung der Dachpfannen eines Nachbargebäudes belästigt fühlen. Wird vom Hauseigentümer verlangt, die von seinem Dach ausgehenden Reflexionen zu unterbinden, so muss auf den konkreten Einzelfall abgestellt werden. Dabei kommt es auf das Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen an. Dies hat das Oberlandesgericht Hamm mit Urteil vom 09.07.2019 (Az.: 24 U 27/18) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall kam es zum Streit zwischen den Eigentümern benachbarter Grundstücke. Das eine Grundstück grenzt südlich an das andere an. Im Jahr 2015 ließ der eine Hausbesitzer das Dach seiner Immobilie mit glasierten, hochglänzenden Dachpfannen eindecken. Knapp zwei Jahre später ließ er einen Großteil dieser Dachpfannen durch engobierte, also matt glasierte Ziegel austauschen. Unberührt blieben allerdings die Dachpfannen im Bereich des Dachfirsts und der Ortgänge. Der Nachbar fühlte sich durch diese Dachpfannen belästigt. Er behauptete, dass es vor allem während der Monate April bis Oktober zwischen 10.30 und 15.30 Uhr, zu starken Reflexionen des Sonnenlichts komme. Ebenso würde es sich auch in den Wintermonaten bei Vollmond verhalten. Hierfür verantwortlich seien sowohl die matt wie auch die hochglänzend glasierten Dachziegel. Die Blendung falle teilweise so stark aus, dass das eigene Ess-, Wohnzimmer sowie der Garten lediglich mit gesenktem Kopf genutzt werden könnte. Deshalb forderten sie ihren Nachbarn dazu auf, die von seinem Dach ausgehende Blendung zu unterbinden. Hierauf ließ dieser sich jedoch nicht ein, weshalb die Angelegenheit vor dem Arnsberger Landgericht landete.

Anspruch auf Unterbindung der Blendung besteht nicht

Das Landgericht gab dem Kläger teilweise recht und verurteilte den Beklagten dazu, die von seinen Dachziegeln erzeugte Blendung mit einer Leuchtdichte von 100.000 Candela/qm oder höher zu verhindern. Ein vom Gericht beauftragter Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass die Blendwirkung im Bereich des Dachfirstes und der Ortgänge in der Zeit von April bis Oktober von 10.30 bis 14.30 Uhr nicht mehr zumutbar sei. Gegen diese Entscheidung gingen die Kläger in Berufung. Sie verlangten nach wie vor, den Nachbarn zur Beseitigung der gesamten Blendwirkung zu verurteilen. Allerdings ohne Erfolg, denn das Oberlandesgericht Hamm bestätigte das erstinstanzliche Urteil. Das Grundeigentum des Klägers werde zwar durch die vom Dach des Beklagten ausgehenden Reflexionen beeinträchtigt. Nach dem Resultat der Beweisaufnahme seien die Kläger jedoch dazu verpflichtet, die von den matten Dachziegeln ausgehende Blendwirkung hinzunehmen, da es sich um unwesentliche Beeinträchtigungen handle. Verbindliche Richtwerte gäbe es nicht, weshalb das Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen ausschlaggebend sei. Von Bedeutung seien bei der Beurteilung des Einzelfalls die Intensität der Lichtreflexe, die Dauer der Blendwirkung sowie die sich hieraus ergebenden Auswirkungen auf die Nutzung des jeweiligen Grundstücks.

Wesentliche Beeinträchtigungen nicht ersichtlich

Nach denen vom Gericht im Rahmen einer Ortsbegehung im Juni 2019 gewonnenen Eindrücken sowie den Feststellungen des Gutachters, könne im vorliegenden Einzelfall eine wesentliche Beeinträchtigung durch die engobierten Dachpfannen verneint werden. Anders als das Landgericht hatte das Oberlandesgericht einen Ortstermin in diesem Fall für erforderlich gehalten, um sich einen fundierten sowie eigenen Eindruck von den Auswirkungen des Lichtreflexe zu verschaffen.

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