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Das Landgericht Itzehoe stellte fest: Unterwurzelung des Nachbargrundstücks ist vom Grundstückseigentümer zu verhindern

 

Bäume im eigenen Garten spenden Schatten, sie sorgen unter Umständen für Obst, sind wichtig für den Boden und sehen auch optisch ansprechend aus. Gerade alte Bäume sind nicht selten der besondere Charme eines Anwesens. Doch welche Pflichten erwachsen einem Grundstückseigentümer daraus, dass er alten und hohen Baumbestand auf seinem Anwesen stehen hat? Dass angefallenes Blattwerk auf Gehwegen zu beseitigen ist, das ist jedem Hauseigentümer und jedem Eigner eines Grundstückes bekannt.

Doch wie verhält es sich mit den Dingen, die man nicht sieht? Zum Beispiel Wurzeln? Haftet der Grundstückseigner auch für Schäden, die durch wucherndes Wurzelwerk unter der Erde entstehen? Muss unter Umständen ein Schadenersatz gezahlt werden? Mit der juristischen Beantwortung dieser Frage musste sich das Landgericht Itzehoe befassen und fällte am 18. September 2012 unter dem Aktenzeichen AZ.: 6 O 388/11 das Urteil, dass ein Grundstückseigentümer mit Verbauung einer Wurzelsperrfolie zu verhindern hat, dass Wurzeln Gebäude auf dem Nachbargrundstück beeinträchtigen.

Wucherndes Wurzelwerk verursachte Schäden am Nachbargrundstück

Im aktuell verhandelten Fall drehte es sich um einen Nachbarschaftsstreit, der durch wuchernde Wurzeln eines Baumes verursacht wurde. Ein Grundstückseigner verklagte seine Nachbarin aus dem Grund, dass ein Baum, der auf dem Grundstück der Beklagten steht, einen auf seinen Grundstück stehenden Schuppen beschädigt hatte. Die Birke, die Kerngegenstand des Streites war, weist eine Höhe von 20 Metern auf und steht in unmittelbarer Nähe der Grundstücksgrenze zwischen den beiden benachbarten Objekten. Ein vom Kläger beauftragter Sachverständiger stellte zweifelsfrei fest, dass das armdicke Wurzelwerk des Baumes auf das Nachbargrundstück wucherte. Dort haben die Wurzeln der alten Birke, wie der Sachverständige festhielt, zu Schäden am Schuppen des Klägers geführt. Diesen Schaden wollte der Grundstückseigner und Schuppeneigentümer ersetzt haben und zog deswegen vor Gericht.

Das Landgericht Itzehoe verurteilte die Baumbesitzerin zu Schadenersatz

Die Richter am Landgericht Itzehoe hielten in ihrem Urteil im Sinne des Klägers fest, dass die beklagte Nachbarin für die Schäden am Schuppen, die auf den wuchernden und armdicken Wurzeln basieren, Schadenersatz zu leisten hat. Das Landgericht folgte den Einlassungen des Sachverständigen und urteilte, da die Einwirkungen auf das Nachbargrundstück und darauf befindliche Gebäude durch die Unterwurzelung entstanden seien, sei die Beklagte ersatzpflichtig. Die Eigentümerin habe, so die Richter, geeignete Maßnahmen treffen müssen, zum Beispiel durch die Verwendung einer Wurzelsperrfolie, die im Boden platziert wird, eine Unterwurzelung zu verhindern.

Da die Eigentümerin einräumte, irrtümlich im Glauben gewesen zu sein, ihr geschädigter Nachbar wäre in der Pflicht gewesen, Vorsorge zu treffen, wurde der Urteilsspruch akzeptiert. Gleichzeitig wurde auch noch die Auflage der Naturschutzbehörde bestätigt, die sowohl das Kappen der Wurzeln, als auch ein Fällen des alten Baumes untersagt hatte.

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