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Risse an 45 Jahre altem Haus sind als verkehrsüblich hinzunehmen

Weist ein 45 Jahre altes Wohnhaus an den Wänden Risse auf, so ist dies nicht ungewöhnlich und stellt insofern auch keinen Mangel dar. Der Erwerber des Gebäudes kann demnach vom Veräußerer keinen Schadenersatz verlangen. Das gilt selbst dann, wenn die Risse beim Erwerb nicht sichtbar waren. Dies hat das Landgericht Coburg mit Beschluss vom 25.03.2019 (Az.: 14 O 271/17) entschieden.

Sachverhalt

In dem hier zugrunde liegenden Fall hatte ein Ehepaar im Jahr 2016 ein Wohnhaus aus den frühen 70er Jahren gekauft. Im Anschluss an die Übergabe entfernten die Veräußerer die vielen vorhandenen Tapeten und Holzverkleidungen. Hierbei traten an den Wänden unterschiedliche Risse zum Vorschein. Darüber hinaus entdeckten die Eheleute im Dachgeschoss nach Abzug der Tapeten einen Schimmelfleck, welcher auf ein im Dach unfachmännisch repariertes Loch herrührte. Aufgrund dieser Umstände forderten sie den Veräußerer dazu auf, die Kosten für die notwendigen Reparaturen zu übernehmen. Ferner verlangten sie das Geld für einen privat beauftragten Sachverständigen. Der Verkäufer lehnte die Forderungen ab. Er wies darauf hin, dass die monierten Risse für ein vor 45 Jahren erbautes Haus üblich seien. Nicht bekannt war ihm zudem der Schaden am Dach, sodass dieser Sachmangel von dem im Kaufvertrag vereinbarten Haftungsausschluss erfasst sei. Hierzu hatten die ehemaligen Hauseigentümer unter anderem versichert, dass ihnen am Anwesen keine verborgenen Mängel bekannt seien. Die Käufer pochten trotz der Erklärungen auf ihre Forderungen, weshalb sie vor dem Coburger Landgericht klagten.

Haus weist übliche Beschaffenheit auf

Das Landgericht wies die Klage der Hauskäufer vollständig als unbegründet zurück. Im Kaufvertrag haben die Parteien keine besondere Beschaffenheit geregelt. Für die Frage, ob überhaupt von einem Mangel auszugehen sei, müsse darum auf Häuser mit ähnlichem Qualitätsstandard und vergleichbarer Beschaffenheit abgestellt werden. Aus diesem Grund würden die von den bisherigen Eigentümern gerügten Risse in den Hauswänden schon gar keinen Mangel darstellen. Der von den Richtern beauftragte Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass bei 45 Jahre alten Häusern etwaige Risse in geputzten Wandflächen völlig üblich seien. Schließlich sei die Lebensdauer eines Innenwandputzes erreicht oder gar bereits überschritten. Wegen der einfachen Konstruktion der Immobilie und ihres Alters wären sogar Risse von bis zu 5 mm nicht als außergewöhnlich anzusehen.

Schimmel berechtigt aufgrund Haftungsausschluss nicht zum Schadenersatz

Im Gegensatz zu den Rissen sei das undichte Dach sehr wohl als Mangel einzustufen. Doch der vereinbarte Gewährleistungsausschluss führe dazu, dass ein Schadenersatzanspruch scheitere. Im Kaufvertrag hätten die Beklagten zudem keine besondere Garantie übernommen. Den Hauskäufern sei es im Rahmen des Prozesses auch nicht gelungen, nachzuweisen, dass dem Veräußerer die Undichtigkeit des Daches bekannt war und dieser Umstand bei Abschluss des Kaufvertrags arglistig verschwiegen wurde.

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