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Weitergabe einer TAN per Telefon (Phishing) ist grob fahrlässig

Wer seine TAN im Rahmen eines Telefongesprächs weitergibt, handelt grob fahrlässig. Ein Bankinstitut ist somit nicht dazu verpflichtet, das über Phishing ergaunerte Geld zu erstatten. Dies geht aus einer Entscheidung des Münchener Amtsgerichts vom 05.01.2017 (Az.: 132 C 49/15) hervor.

Sachverhalt

Ein Ehepaar aus Aying unterhielt in dem hier zugrunde liegenden Fall bei einer Bank ein Girokonto. Im Mai 2014 erhielt die Ehefrau eine Phishing-Mail, welche als Absender die Hypovereinsbank auswies. Hierbei wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Zugang zum "Direct B@nking" bald ablaufen werde, sofern im Zugang nicht die Synchronität der SEPA-Umstellung aktualisiert werde. Konkret wurde sie dazu aufgefordert, auf einen Link zu klicken, welches eine manuelle Aktualisierung des Zugangs auslösen sollte. Die Frau klickte auf den entsprechenden Link und gab dort neben ihrem Namen auch ihre Festnetznummer sowie ihre Kontonummer an. Am darauffolgenden Tag erhielt sie einen Anruf von einer weiblichen Person, die sich als Angestellte der Bank ausgab. Von ihr wurde die Bankkundin gebeten, sich Nummern zu notieren und diese mit Nummern abzugleichen, die ihr in Kürze via SMS zugehen würden. Sollten Ziffern/Buchstaben übereinstimmen, müsse sie die letzte Ziffernfolge in der SMS der vermeintlichen Mitarbeiterin mitteilen. Die Frau folgte der Aufforderung, was dazu führte, dass sie einen Betrag von 4.444,44 Euro auf ein fremdes Konto überwies. Fünf Tage später ließ die Frau ihr Konto sperren und stellte einen weiteren Tag später eine Strafanzeige gegen Unbekannt. Versuche, den Betrag wieder zurückzuerhalten, scheiterten. Nachdem sich die Bank weigerte, die Summe zurückzuerstatten, erhob das Ehepaar Klage vor dem Münchener Amtsgericht.

Klägerin hätte Täuschung auffallen müssen

Das Amtsgericht wies die Klage ab und entschied zu Gunsten der Bank. Durch die Weitergabe der TAN im Rahmen des telefonischen Gespräches habe die Ehefrau grob fahrlässig gehandelt. Im Falle des TAN-Verfahrens werde eine TAN grundsätzlich für eine konkrete Aktion, insbesondere für eine ganz bestimmte Überweisung erzeugt und via SMS auf das Mobiltelefon des Kunden versandt. Die SMS umfasse jedoch, entsprechend dem nachfolgenden Wortlaut, eben nicht nur die TAN: "Die mobile TAN für Ihre Überweisung von 4.444,44 EUR auf das Konto ...". Der Frau wurde somit noch einmal vor Augen geführt, dass es sich nicht um eine beliebige TAN handle. Vielmehr werde ihr auch mitgeteilt, auf welches Konto die Zahlung des Betrags erfolgen werde und für welchen genauen Zahlungsvorgang diese TAN erzeugt worden sei, etwa für eine Überweisung.

Grobe Fahrlässigkeit geht zu Lasten des Kunden

Sofern ein Bankkunde diese auffälligen Hinweise nicht beachte und seine TAN an Dritte weitergibt, die damit eine Überweisung tätigen können, kann nicht nur von einer einfachen Fahrlässigkeit ausgegangen werden. Denn im Allgemeinen muss es in dieser Situation jedem einleuchten, dass es um eine TAN gehe, deren Weitergabe nach den vertraglichen Bedingungen sowie nach § 675 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) nicht zulässig ist und mit dem Risiko einhergehe, eine missbräuchliche Überweisung auszulösen, so das Amtsgericht.

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