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Verbraucherrechte der Lehman Bank Opfer gestärkt - Oberlandesgericht Hamburg spricht einem Ehepaar 7,4 Millionen Euro Schadenersatz zu

Die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers aus den USA hatte im Jahr 2008 nicht nur brutale Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte, sondern auch auf Investoren, die bei der Pleite Hab und Gut verloren hatten. Kann man sich nun in Einzelfällen darauf berufen, dass man Kauf der Zertifikate falsch beraten wurde? Wie lassen sich derartige Versäumnisse nachweisen? Oder bleiben die Geschädigten endgültig auf den Verlusten sitzen? Das Oberlandesgericht (OLG) in Hamburg musste in der Sache entscheiden und urteilte am 22. August 2012 unter dem Aktenzeichen AZ: 14 U 291/10 im Verbraucherinteresse.

 

Falsche Bankberatung zugunsten von Zertifikaten von Lehman?

Geklagt hatte ein sehr wohlhabendes Anleger Ehepaar aus Hannover. Im April 2008 war den mehr als gut situierten Anlegern seitens der Bethmann Bank vorgeschlagen worden, die Zertifikate der Commerzbank, die das Ehepaar in seinem Besitz hatte, zu veräußern. Als Alternative dazu wurden dem vermögenden Ehepaar als Anleger Zertifikate von Lehman Brothers empfohlen, von denen sie bereits Papiere besaßen. Daraufhin hatte das Ehepaar sich von der Empfehlung der Bank leiten lassen und weitere Zertifikate von Lehman Brothers geordert - und das in nicht unerheblicher Größenordnung. Da sich die Anleger von der Bethman Bank getäuscht sahen und damit argumentierten, dass man sie förmlich in den Kauf der Papiere manipuliert habe, verlangten sie nach der Pleite und der Insolvenz von Lehman nicht nur ihr Geld von der Bethman Bank zurück, sondern darüber hinaus noch einen Schadenersatz. Bereits das Landgericht (LG) Hamburg sah die Ansprüche und Forderungen des gut situierten Ehepaars als absolut gerechtfertigt an und sprach ihnen Schadenersatz zu. Dagegen zog die Bethman Bank in die Berufung und darum musste das Hamburger Oberlandesgericht (OLG) ein Urteil fällen.

Das Oberlandesgericht (OLG) in Hamburg bestätigte das Urteil der Vorinstanz am Landgericht

Wie das Landgericht (LG) Hamburg zuvor bereits verurteilten auch die Richter am Oberlandesgericht (OLG) in Hamburg die Bethman Bank zur Schadenersatzzahlung. Das OLG argumentierte damit, dass die Bank sich einer Pflichtverletzung aus dem Anlageberatungsvertrag schuldig gemacht habe. So begründeten die Richter ihre Entscheidung damit, dass die Bank ihrer Pflicht nicht nachgekommen sei, das Anlegerpaar darüber aufzuklären, dass sich Lehman Brothers auf dem absteigenden Ast befände. Ferner habe die Bank, so die Richter, den Papieren der Commerzbank ein falsches und schlechteres Rating als den Zertifikaten von Lehman ausgestellt. Die Papiere seien nicht fachgerecht verglichen worden. Ebenso habe die Bethman Bank Informationen verschwiegen, welche negative Berichterstattungen über Lehman Brothers enthalten hätten. Auch wenn die Bank kein akutes Insolvenzrisiko von Lehman habe verorten können, hätten man die Risiken beim Kauf von Papieren des Hauses Lehman nicht verschweigen dürfen.

Auch als erkennbar gewesen sei, so das OLG, dass Lehman sich in die Insolvenz bewege und das Rating von Lehman drastisch herabgesetzt wurde, habe man dem vermögenden Ehepaar von einem Verkauf der Papiere dringend abgeraten. Darin erkannte das OLG einen Verstoß gegen sämtliche Beratungspflichten des Bankhauses und sah den Schadenersatz in Höhe von 7,4 Millionen Euro als absolut gerechtfertigt an.

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