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Fahrzeugschaden wegen geplatztem Reifen ist durch Vollkaskoversicherung abgedeckt

Wem aufgrund eines eingefahrenen Gegenstandes der Reifen platzt, kann hieraus resultierende Fahrzeugschäden bei seiner Vollkaskoversicherung geltend machen. Der Versicherungsschutz darf nicht wegen des Vorliegens eines Betriebsschadens abgelehnt werden. Dies geht aus dem Urteil des Landgerichts Karlsruhe vom 20.08.2013 (Az.: 9 O 95/12) hervor.


Sachverhalt

In der vorliegenden Rechtssache befuhr ein Mann mit seinem Auto im Januar 2012 eine Autobahn, als er plötzlich bemerkte, wie einer der hinteren Reifen platzte. Aufgrund des Reifenschadens wurden auch die angrenzenden Karosserieteile beschädigt. Später stellte ein Gutachter fest, dass ein größerer Fremdkörper, etwa eine Schraube, für das Reifenplatzen verantwortlich war. Die Reparaturkosten stellte der Autofahrer anschließend seiner Vollkaskoversicherung in Rechnung. Mit Hinweis auf den am 01.07.2012 auferlegten Allgemeinen Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung (AKB 2008), lehnte der Versicherer allerdings eine Schadensregulierung ab. Nach Ansicht des Versicherers läge ein Betriebsschaden vor, der gemäß den Bedingungen ausgeschlossen ist. Hierzu stand in Ziff. A.2.3.2: "Versichert sind Unfälle des Fahrzeugs. Als Unfall gilt ein unmittelbar von außen plötzlich mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug einwirkendes Ereignis. Nicht als Unfallschäden gelten insbesondere Schäden aufgrund eines Brems- oder Betriebsvorgangs [...]". Aufgrund der Zahlungsverweigerung erhob der Autofahrer Klage gegen das Versicherungsunternehmen.

Schaden aufgrund eines Betriebsvorgangs liegt nicht vor

Die Richter am Landgericht Karlsruhe urteilten zugunsten des Klägers. Nach Ansicht des Gerichts kann von einem Betriebsschaden nicht die Rede sein, da das Platzen der Reifen durch einen eingedrungenen Fremdkörper verursacht wurde. Unter einem Betriebsschaden fallen jedoch nur solche Schäden, welche sich im Rahmen des gewöhnlichen Fahrbetriebs ereignen. Es genüge dabei nicht, dass der Schaden während des gewöhnlichen Betriebs des Autos, etwa beim Befahren der Autobahn, verursacht wird. Selbst wenn der Betriebsschaden allmählich entsteht, würde kein Betriebsschaden im Sinne der Bedingungen vorliegen. Demzufolge müsse der Schaden nicht plötzlich eintreten.

Wortlaut der Bedingungen ausschlaggebend

Aus dem Wortlaut des Bedingungstextes habe sich zudem nach Auffassung des Gerichts ergeben, dass unter einem Betriebsschaden vor allem solche Schäden gemeint sind, welche aufgrund Verschleiß, Abnutzung oder Fehlern des Versicherungsnehmers eintreten. Im Umkehrschluss ist somit davon auszugehen, dass grundsätzlich solche Schäden als versichert gelten, die weder auf Bedienungsfehler noch auf eine Abnutzung zurückzuführen sind.

Betriebsschaden darf nicht wegen der Unvermeidbarkeit des Schadens angenommen werden

Das Landgericht stellte fest, dass es zum normalen Betriebsrisiko des Fahrzeugs gehört, wenn herumliegende Gegenstände in den Reifen gelangen und diesen beschädigen. Damit folgten die Richter dem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 21.04.1989 (Az.: 20 U 255/88). Die Richter teilten die Auffassung des Angeklagten nicht, wonach die Unvermeidbarkeit des Schadens als Kriterium für das Vorliegen eines Betriebsschadens heranzuziehen ist. Schließlich fallen auch solche Schäden nicht unter den Versicherungsschutz, die sich plötzlich ereignen und durch einen Bedienungsfehler des Versicherungsnehmers verschuldet wurden. Weil zudem auch das Einfahren des Gegenstandes nach Ansicht des Gerichtes nicht vermeidbar gewesen ist, sei die Versicherungsgesellschaft zur Regulierung des Schadens verpflichtet.

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